Gänsehaut in Giesing – XX-Tausend Dank an die “Aktion XX-Tausend”!
Schon einen Abend vor dem großen XX-Tausend-Spiel war es wichtig, in Giesing zu sein. Nachdem die letzten Vorbereitungen für die große Choreografie getroffen waren, konnte man sich nun den Gästen
aus aller Welt zuwenden. Unter anderem war Paul Österreicher, einer der Gründer der “Ultras Rapid” aus Wien in der Stadt, und so traf man sich NATÜRLICH in einem Giesinger Lokal zum Erfahrungsaustausch.
Als ich am nächsten Morgen um Punkt 9 Uhr am Sechzgerstadion ankam, werkelten die eifrigen Choreo-Helfer schon an der großen Blockfahne für die Stehhalle herum. U23-Trainer Uwe Wolf schaute netterweise auch kurz vorbei, es dürfte so gegen 10:47 Uhr gewesen sein.
Um 11 Uhr war dann offizielle Stadionöffnung und eine halbe Stunde später begann das Vorspiel zwischen der Traditionsmannschaft des TSV 1860 um Bubi Bründl, bei der auch Amateure-Boss Ernst Tanner mitspielte, und der Sternstunden-Mannschaft des Bayerischen Rundfunks. Doch einige Zuschauer mussten sich erstmal verwundert die Äuglein reiben: Franz Maget und Karsten Wettberg, die beiden Vizepräsidenten des TSV 1860, liefen auf Seiten der Sternstunden-Truppe in roten Trikots auf.
Die Stimmung im engen Sechzgerstadion stieg immer mehr an, ab kurz nach 13 Uhr konnte man erstmals Stefan Schneider, die „Stimme von Giesing“, hören. Als wir in der Stehhalle irgendwann vor dem Anpfiff „Löwenmut“ von Lustfinger sangen, musste ich meine Sonnenbrille aufsetzen, um die Tränen der Rührung zu verbergen. Auch ein sehr laut intoniertes „You´ll never walk alone“, der traditionelle Stadiongesang des FC Liverpool, der um die Welt ging, erzeugte Gänsehaut.
Kurz vor dem Anpfiff trugen Fans in der Stehhalle dann die selbstgebastelten Figuren aus Pappe herein, die die unterschiedlichen Typen aktiver Löwenfans symbolisieren sollten.
Eine Darstellung traf einen uns allen bekannten Jogginghosen-Träger unter den Fans, den „Schorri“, besonders gut. In der Westkurve wurden 2600 weiße und blaue Fahnen geschwungen, die die Jungs von „Cosa Nostra“ und „Münchner Freiheit“ in tagelanger Arbeit selbst zusammenklebten.
Nach 20 Minuten machte Regensburg zwar das 0:1 durch einen Elfmeter (warum gabs den überhaupt?), aber die Lautstärke im Sechzgerstadion ging trotzdem weiterhin nur von der Stehhalle aus, auch die Westkurve (mit dem „Rentnerblock“) beteiligte sich an der Anfeuerung. Die Regensburger Fans (rund 400 versammelten sich im Block Q) waren an diesem Tag wirklich nur Randfiguren, aber sie konnten sich an diesem Tag
von Haus aus nicht beschweren, hatten Löwenfans doch sogar ein eigenes Schild mit dem Aufdruck „JAHN“ für die Anzeigetafel für sie produziert.
Leider schafften die Löwen es auch in der 2. Halbzeit nicht mehr, den Rückstand auszugleichen und so war mit dem Abpfiff klar: Jahn Regensburg hat sich für die neue 3. Liga qualifiziert, „Sechzig Zwo“ muss nächstes Jahr in der neuen dreigeteilten Regionalliga (u.a. mit Gegnern wie Waldhof Mannheim, Darmstadt 98, SSV Ulm und SpVgg Bayreuth) ran. Herzzerreißende Szenen spielten sich noch ab, als ein Liebling der Löwenfans sein letztes Spiel für die Löwen (er ist wegen 5. Gelber Karte am letzten Spieltag in Pfullendorf gesperrt) hinter sich gebracht hatte und vor die Stehhalle trat: Björn Ziegenbein verlässt nach sechs Jahren beim TSV 1860 den Verein und wechselt nach Wehen-Wiesbaden. Durch seine umgängliche Art und ein paar Tore gegen die Bayern-Amateure
spielte er sich in die Herzen der Fans und deshalb hatte auch er Tränen in den Augen, als er sich nun von ihnen verabschieden musste.
Ganz sooo schlimm war das aber wiederum dann doch nicht, denn ein Star stand an diesem Tag im Mittelpunkt des Interesses aller anwesenden Fußballbegeisterten: Das Sechzgerstadion. Nachdem es unter früheren Vereinsführungen schmählich im Stich gelassen wurde und Jahr für Jahr vor sich hinrostete, haben es die Aktivisten der Aktion „XX-Tausend“ (XX-Tausend Dank für Eure Energie beim Organisieren dieses Tages!!!), Franz Maget und seine Mitstreiter jetzt geschafft, auf diplomatische Art und Weise politische Mehrheiten für den Erhalt des Sechzgerstadions zu schaffen. Die Choreo-Zaunfahne teilte den 12.600 Zuschauern schließlich zurecht mit: „Münchens Wahrzeichen sind unantastbar“. Dem ist nichts hinzuzufügen!
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