Archiv für Juni 2008

“Gehma Fuaßboll schaung” – dort, wo die Schispringer zuhause sind

Freitag, 20. Juni 2008

berg-isel-2.JPGNur drei Spiele lang war Innsbruck Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2008. Dafür wurde das „Tivoli neu“ sogar extra von 15.000 Zuschauern Fassungsvermögen auf 30.000 Zuschauer ausgebaut. Dadurch hat die modernste Arena in den Bergen endlich Atmosphäre gewonnen. Man darf eigentlich niemandem sagen, dass der Innsbrucker Stadtrat beschloss, das Stadion nach der EM auf 15.000 Fassungsvermögen zurückzubauen….

Aber zurück zu den Spielen in Innsbruck: Nachdem Spanien die Russen 4:1 schlug und gegen die Schweden in letzter Sekunde noch den Sieg sicherstellte, kam es am vergangenen Mittwoch in Innsbruck zum Endspiel um Platz 2 in der Gruppe D: Schweden gegen Russland.

Wir reisten mit dem Zug über Garmisch-Partenkirchen an und waren ab 12 Uhr mittags in der Tiroler Landeshauptstadt. Wesentlich besseres Wetter als an München zeichnete sich an diesem Tag schon auf der Fahrt durchs Oberland ab, im Inntal war es dann endgültig sommerlich warm und trocken. Zehntausende gelb gekleidete Schweden und sonstige Unterstützer der „Tre Kronors“ bevölkerten die Innenstadt und feierten Karneval.

Unter 300 Euro wurde uns jedoch kein einziges Ticket angeboten und so war schon während des Tages klar, dass wir das Spiel in einem der Public Viewing-Bereiche anschauen wollten.

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Drei Spieler des SC Riessersee waren ebenfalls zugegen: Rob Brown, Matthias „Wiki“ Wikström und Butzi Mayr. Während Wiki (der aus Skelleftea, rund 1000 Kilometer nördlich von Stockholm, kommt) ein blaues Schweden-Trikot trug, hatte Trikotsammler Butzi Mayr sein gelbes Schweden-Dress aus dem Schrank geholt. Welches Eishockey-Trikot Butzi Mayr nächste Saison trägt, ist noch nicht ganz klar, beim SC Riessersee scheint man auf die Dienste des Publikumslieblings keinen Wert mehr zu legen.

berg-isel-leinwand-1.JPGGemeinsam mit meinem Freund Sese Baier begab ich mich dann gegen 19 Uhr auf den Fußmarsch zum Berg Isel, weil bekannt war, dass dort oben im Schisprungstadion eine große Leinwand aufgebaut ist. Oben angekommen war auch dieses Stadion schon mit 95% Schweden gefüllt, es herrschte eine frohe, erwartungsvolle Stimmung, wie sie im Tivoli drunten im Tal nicht besser hätte sein können. Imposant ist am Berg Isel vor allem der Blick auf den Spungturm und den Landehügel. Wenn man sich überlegt, wie wagemutig sich die Herren der Lüfte dort jedes Jahr am 3. oder 4. Januar hinunterstürzen….

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Leider wurden die zahlreichen Schweden und Schwedinnen von ihren Stars enttäuscht, die Russen waren über 90 Minuten die gefährlichere Mannschaft und so ging mit dem 0:2 die schwedische Österreich-Tour zu Ende. Zu Fuß begaben wir uns auf den Weg zum Innsbrucker Bahnhof, um 23:37 Uhr fuhr der letzte Zug nach München, das wir um Viertel nach 2 Uhr nachts erreichten.

EM 2008: Wer soll diese Holländer schlagen?

Dienstag, 17. Juni 2008

Nachdem ich im Job versuchen musste, für Löwenfans so viele DFB-Tickets wie möglich für die Spiele der Deutschen Nationalmannschaft zu bekommen, wollte ich aber auch mein eigenes EM-Erlebnis haben und sagte spontan zu, als mir ein Freund, der von der UEFA vier Karten für das Spiel Holland-Frankreich zugelost bekam, zwei Tickets anbot. Und so brachen wir zu zweit am Freitag, dem 13. mit dem Auto auf nach Bern. An der Schweizer Grenze südlich von Bregenz mussten wir die Ausweise herzeigen (die Schweiz ist eben nicht Teil des Schengen-Abkommens), dafür empfingen uns Mädchen in Hot Pants. Leider waren sie keine Grenzbeamten, sondern verteilten Werbezettel für einen Sportwettenanbieter. axel_hollaender_bern.jpgUm 15 Uhr nachmittags kamen wir in Bern an und parkten in Stadionnähe für 27 Schweizer Franken (15 Euro). Dafür bekommt man kleine Stadtpläne in die Hand gedrückt, auf denen man schnell sieht, dass man den Weg in die Stadt (2,5 Kilometer) zu Fuß zurücklegen soll.

In der Innenstadt war alls ORANGE. Zehntausende orangefarbig gekleidete Niederländer verstopften die Straßen und feierten. Ja, was eigentlich? Ich würde sagen: Karneval. Leider haben wir den aus dem Fernsehen bekannten holländischen Fan nicht getroffen, der sich als Ruud Gullit verkleidet. Mit ihm hätte ich mich gerne ablichten lassen.

bern-wankdorf_anzeigetafel.jpgEntgegen meiner sonstigen Gewohnheit begaben wir uns schon zwei Stunden vor Spielbeginn auf unsere Sitzplätze im Stade de Suisse in Bern. Vor dem umgebauten alten Stadion in Bern-Wankdorf haben sie die alte Anzeigetafel aufgestellt, auf der das „Wunder von Bern“ (Ungarn-Deutschland 2:3) nochmals dargestellt wird.

Im Stadion ist alles EM-mäßig sauteuer, zudem verteuert der 1,5:1-Kurs des Schweizer Franken alles, so kostet ein Bier 6 Franken, eine Pizza 9 Franken und für eine Portion Pommes Frites muss man ebenfalls 6 Franken berappen.

Wir saßen zwar nicht mitten im Fanblock der Holländer, aber um uns rum war alles orange. Die Holländer waren sehr nett zu uns, obwohl durch meine 1860-Regenjacke schnell als Deutsche erkennbar waren. Die Mannschaft der Oranjes machte auf dem Rasen auch schnell klar, wer der Herr im Hause ist. Der Torjubel vom 1:0 fand witzigerweise vor unserer Eckfahne statt. holland_torjubel.jpgAngetrieben vom überragenden Wesley Snijder fertigte die Niederlande den Vizeweltmeister Frankreich mit 4:1 ab, da blieb sogar dem in Blau spielenden Roten Franck Ribery die Spucke weg.

Nach dem Spiel kamen wir schnell raus aus dem Parkplatz und waren morgens um 4:30 Uhr wieder zurück in München.

Pfullendorf – ein feuchtes Vergnügen

Montag, 2. Juni 2008

PfullendorfZur schon traditionellen Saison-Abschlussfahrt bei den 1860-Amateuren karrte die Fanvereingung PRO1860 am vergangenen Samstag rund einhundert Löwen-Fans mit zwei Bussen ins beschauliche und sonnige Pfullendorf. Erfahrene Auswärtsfahrer wissen, wo´s lang geht, aber wie kann man dem Normalsterblichen die geografische Lage von Pfullendorf erklären?

Die Homepage der Gemeinde gibt folgende Einschätzung der Lage: „Auf halbem Weg zwischen Bodensee unmb-pfullendorf-1.JPGd Donau in der Ferienregion Nördlicher Bodensee.“ Also mitten in der Pampa, ein Provinznest vom Allerfeinsten. Trotzdem hat Pfullendorf fast 14.000 Einwohner. Gregor Gysi war schon mal da und auch die Rodler-Legende Hackl-Schorsch.

Und nun, am 31. Mai des Jahres 2008, fielen insgesamt rund 150 Löwen-Fans in das Dorf ein. Noch dazu aus einem völlig unwichtigen Grund: Das letzte, sportlich bedeutunsglose, Saisonspiel der U23 des TSV 1860 München sollte nicht unbeobachtet bleiben. „Nicht unbeobachtet“ ist auch das richtige Stichwort, denn genau hingeschaut haben bei diesem Sommer-Kick die wenigsten der im Gästeblock anwesenden Löwen.

Aqua UltrasDie Reise stand unter dem Motto „Beach Party“, vor dem Stadionbesuch wurde ein Abstecher ins direkt an den Gästeblock angrenzende Freibad gemacht und aus diesem Grund hatten sich bei der Abfahrt in München auch die „Aqua Ultras“ gegründet. Das scheinbar einzige Ziel dieser Vereinigung war es, den teilnehmenden Badegästen vor allem im Stadion so viele Wassergüsse wie möglich zu verschaffen. Uns wurde ja schließlich erlaubt, aufblasbare Planschbecken und Badewannen-Gummitierchen mit ins Stadion zu bringen. Das Motto „Beach Party“ fand auch bei den Pfullendorfer Sicherheits-Steffi DopplerVerantwortlichen großen Anklang, nochmals herzlichen Dank dafür. Ein Planschbecken wurde während des Spiels ständig mit einigen Litern Wasser befüllt, welches wiederum wahllos bzw zielgerichtet einigen Opfern aus der Löwen-Fanszene drübergeschüttet wurde. Ich blieb gottseidank verschont.

Kurz vor dem Abpfiff fiel übrigens sogar noch ein Tor, Manuel Leicht erzielte in der letzten Sekunde der Saison das ultimativ letzte Tor, Sechzig gewann somit 1:0 und sicherte sich in der Regionalliga-Abschlusstabelle Platz 13. Die 1860-Amateure holten mit ihren 42 Punkten in dieser Spielzeit einen Punkt mehr als die Löwen-Profis in Liga 2. Und nach dem Schluss hatten wir leider auch die pfullendorf-spieler-1.JPGGewissheit, dass ein 3:0-Sieg statt des erlittenen 0:1 gegen Regensburg beim XX-Tausend-Spiel zur Qualifikation für die Dritte Liga gereicht hätte.

Nächste Saison warten jedoch auch in Liga 4 ein paar illustre Gegner auf die U23 der Löwen: Waldhof Mannheim, Darmstadt 98, SSV Ulm, die Spielvereinigung Bayreuth, Viktoria Aschaffenburg und Wormatia Worms qualifizierten sich ebenfalls für die neue dreigleisige Regionalliga. Es gibt also einige neue Gegner. Das nette Pfullendorf bleibt uns aber auch erhalten. Von mir aus könnten wir gleich zum Saisonauftakt im kommenden August wieder dorthin fahren. Im Sommer macht Fußball in der “Ferienregion Nördlicher Bodensee” nämlich richtig Spaß.


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