Archiv für August 2008

Gute Stimmung in Freiburg – Benny Lauth trifft – doch 1860 fährt mit leeren Händen heim

Montag, 18. August 2008

Zwei Tage nach dem Spiel der U23 beim SV Waldhof Mannheim hatten auch die Profis des TSV 1860 München ihren Saisonauftakt – und zwar beim SC Freiburg. Rund 2000 Löwenfans begleiteten ihre Mannschaft in den Breisgau – rund 70 von ihnen kamen mit dem “Schönen Wochenend”-Ticket der Deutschen Bahn angereist – und mussten dafür um 5:39 Uhr in München losfahren. Unter ihnen war auch ich.

freiburg-gasteblockeingang.JPGAls ich gegen 13:20 Uhr am Gästeblockeingang ankam, gab es dort lange Schlangen. Grund hierfür: Die Freiburger Ordner sind für ihre peniblen Kontrollen bekannt und beim Löwen-Spiel im letzten Jahr hatte es Becherwürfe aufs Spielfeld gegeben, sodass heuer die Daumenschrauben für Fans beim Einlass noch stärker angezogen wurden.

freiburg-gasteblock.JPGDies tat der Stimmung im Gästeblock keinen Abbruch, die Löwenfans hatten die Hosen im Dreisamstadion an. „Einmal Löwe – immer Löwe“ wurde als neuer Wechselgesang eingeführt – und löst hoffentlich das langweilige „Te-Ess-Va-Hau“ in Zukunft auch in der Arena ab.

Der 0:1-Rückstand nach 28 Minuten ließ weder die Truppe von Marco Kurz, noch die Fans verzagen und so war der Jubel groß, als Benny Lauth nur wenige Minuten später, also fast „postwendend“ der 1:1-Ausgleich gelang.  Ein wunderschönes Tor, Benny zog mit rechts ab und der Ball schlug neben dem Freiburger Torwart flach im Netz ein.

freiburg-1860-n-85-minuten.JPGIn der 2. Halbzeit fiel dann leider das 2:1-Siegtor des Sportclub Freiburg, die Anzeigetafel vermeldete den Freiburger Krmas als Torschützen. Doch nach der Ankunft in München konnten wir in den Abendausgaben der Tageszeitungen lesen, dass es ein Eigentor von Mate Ghvinianidze gewesen sein soll. Mist. Ich begab mich nach dem Spiel noch zum Bus der Löwen, um Fans bei einzelnen Autogrammwünschen behilflich zu sein. benny-lauthsteffi-freiburg.JPGBenny Lauth wirkte trotz seines Tores gar nicht so glücklich. Wenigstens gelang sein Comeback – und das ist auch schon viel wert!

Unser Zug zurück nach München fuhr am Freiburger Bahnhof Littenweiler (nur rund 8 Minuten zu Fuß vom Stadion entfernt) um 17:39 Uhr ab. Über Sigmaringen und Ulm führte die Strecke – sehr idyllisch am Ufer der Donau entlang. München erreichten wir erst kurz vor 1 Uhr nachts wieder – aber wer für 7 Euro und a paar Cent durch Deutschland fahren kann, der nimmt dafür schon ein paar Anstrengungen in Kauf.

Löwenfans zündeten Leuchtraketen – Spiel stand kurz vor dem Abbruch

Montag, 18. August 2008

Die einen sprechen von “Fußball wie vor 20 Jahren“, die anderen schämen sich in Grund und Boden. Wer am Montag die Münchner Tageszeitung TZ gelesen hat, muss zur Meinung gelangen, Löwenfans hätten sich wie Tiere benommen und Waldhof-Fans seien die Engel. Um die Diskussion zu versachlichen, indem jemand gehört wird, der wirklich dabei war, möchte ich hier meine Beobachtungen vom Himmelfahrtstag in Mannheim wiedergeben. waldhof-1860-ii-150808.jpg

Zum ersten Mal seit vielen Jahren traf 1860, wenn auch nur mit der 2. Mannschaft, wieder auf den Traditionsverein Waldhof Mannheim.  Drei Fanbusse hatten sich von München aus auf den Weg gemacht. Normalerweise fahren maximal 50 Fans auswärts zur U23 der Löwen, diesmal waren es rund 250 Löwenfans, die sich im Carl-Benz-Stadion in Mannheim eingefunden hatten. Unter ihnen auch einige ehemalige Hooligans, die angeblich noch „alte Rechnungen“ mit den Fans des SV Waldhof begleichen wollten.

Die erste Halbzeit war zum Zungeschnalzen – Sechzig München zeigte dem Aufsteiger aus der Oberliga Baden-Württemberg (dort krebsten die Waldhöfer die letzten fünf Jahre herum) klar die Grenzen auf. Schon nach 20 Minuten stand es 3:0 für die Münchner Löwen – ein Traum. waldhof-1860-ii-torjubel-2.JPG Was nach der Halbzeit folgte, war ein Albtraum für uns: Löwenfans entzündeten auf den Betonstufen des Gästeblockes zunächst ein bengalisches Feuer, was noch wenig dramatisch gewesen wäre, wenn nicht kurze Zeit später von einigen Dummköpfen vier Leuchtstifte auf den Rasen geschossen worden wären. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel für rund 25 Minuten.

Die Ligaverbände reagieren heutzutage sehr allergisch auf diese Art der Einflussnahme von Fans auf ein Spiel und verhängen drastische Strafen für die Clubs – mal ganz abgesehen davon, dass eine Leuchtrakete immer unkontrollierte Flugbahnen einnehmen und Menschen schwer verletzen kann. Am unverständlichsten erscheint das Verhalten der Täter jedoch, wenn man bedenkt, dass bei einem Spielabbruch die schon sicher geglaubten Punkte aberkannt werden würden. Wollen wir es nicht hoffen. waldhof-bengalfeuer.JPG

In der Zwischenzeit zogen vor dem Stadion rund 200 gewaltbereite Mannheimer vor den Eingangstoren des Gästeblocks auf. Ein Exzess, der angesichts des auf beiden Seiten anwesenden Gewaltpotenzials unvermeidlich schien, durch die dumme Leuchtstift-Schießerei jedoch an Brisanz zunahm. Am Eingangstor zum Gästeblock kam es schließlich kurzzeitig zu einem zwei-minütigen Hooligan-Kampf, bei dem von beiden Frontlinien Fußtritte und Faustschläge ausgeteilt wurden. Sowas hatte man in deutschen Stadien lange nicht mehr erlebt.

In der Folge wurde das Spiel wieder angepfiffen und vom Schiedsrichter zuendegebracht. Sechzig siegte 4:1. Allen anwesenden Löwenfans war klar, dass sich das Verlassen des Gästeblocks noch länger hinauszögern konnte, schließlich warteten Mannheimer draußen vor den Toren nicht nur auf gewaltbereite 1860-Fans.  Schließlich wurden die drei Fanbusse vom  Einsatzleiter der Polizei in den Gästeblock dirigiert und dort konnten die Löwenfans unbeschadet in die Busse einsteigen. waldhof-1860-ii-busabfahrt-2.JPG Gemeinsam mit dem 1860-Mannschaftsbus durften wir rund eine Stunde nach Spielende, also gegen 22:20 Uhr, das Stadiongelände verlassen. Die Löwenfans, die zu ihren Autos wollten, mussten noch eine Stunde warten, bis die Mannheimer Polizei ihre Sicherheit beim Abmarsch gewährleisten konnte.

Noch ein Doppelpack – Neustrelitz war eine Reise wert

Montag, 11. August 2008

Einen Tag nach dem „Garmischer Doppelpack“ zog es mich in die komplett entgegengesetzte Richtung innerhalb Deutschlands, denn meine Löwen mussten in Mecklenburg-Vorpommern beim Fünftligisten TSG Neustrelitz im DFB-Pokal antreten.

Oliver Griss von der AbendzeitungUm 8:40 Uhr ging der Flieger in München, um 9:40 Uhr war Landung in Berlin-Tegel. Von dort fuhr ich mit 1860-Reporter Oliver Griss von der Abendzeitung per Leihwagen weiter. Unterwegs hielten wir an einem Obststand neben der Landstraße an, um uns kurz zu stärken. Ich bestellte 1 Apfel und 5 Zwetschgen. Hatte mit 2 Euro irgendwas gerechnet, da sagt die Verkäuferin plötzlich “macht sieben….”, ich will schon lospoltern, als sie vollendet: “…und fünfzig Cent”.

Um kurz vor 12 Uhr kamen wir im 110 Kilometer von Berlin entfernten Neustrelitz, idyllisch in der Mecklenburger Seenplatte gelegen, an. Vom Ort sahen wir jedoch nicht viel, man wurde durch Schilder auf Umgehungsstraßen zum Stadion geleitet. Vor dem Spiel telefonierte Oliver Griss noch schnell mit Mate Ghvinianidze, Maskottchen der TSG, ein Ziegenbockweil in Georgien ja in den letzten Tagen Krieg ausbrach, und Mate um seine Familie zittert. Ich begab mich schließlich in den Gästeblock, wo sich schon die ersten reiselustigen Löwenfans und das Maskottchen der TSG, ein Ziegenbock, eingefunden hatten. Die Neustrelitzer Vereinshelfer waren sehr gastfreundlich, hatten sogar eigens Fanartikel nur für dieses Spiel produzieren lassen. Kein Wunder, für die TSG handelte es sich um den Saisonhöhepunkt.

Dass es für 1860 nur eine lästige Pflichtaufgabe war, merkte man zwar deutlich, aber wie viele Favoriten sind schon in der 1. Runde ausgeschieden? Man denke nur zwei Jahre zurück, als wir in der 1. Pokalrunde in Lübeck scheiterten. Die neue Löwen-Truppe begeisterte uns mit einem Doppelpack in der 23. Minute: Zunächst war es Torjubel in NeustrelitzBenny Lauth, der gleich im 1. Pflichtspiel für Sechzig nach seiner Rückkehr das erste Tor gelang, 70 Sekunden später markierte der 2. Stürmer, Mucki Kucukovic, das 2:0. Wie wir später erfuhren, war das schon der Endstand. Die Fans jubelten ausgelassen, mit einem Sieg in die Saison zu starten, ist immer erleichternd.

Die EhrenrundeInsgesamt ein netter Ausflug ins mecklenburgische Seenland. Gegen 17:20 Uhr verließ ich den Ort des Geschehens wieder mit meinem „Chauffeur“. Am Flughafen Berlin-Tegel unterhielt ich mich sehr nett mit 1860-Cotrainer Uwe Wolf und Torwarttrainer Jürgen Wittmann und bei der Landung in München hatte ich sogar Gelegenheit, kurz mit Benny Lauth zu sprechen. Ich finde super, wie sehr sich alle für die Belange der Löwenfans interessieren, eine große Saison steht uns bevor.


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