Archiv für September 2008

Schon wieder gegen Duisburg - ein noch wichtigerer Sieg

Mittwoch, 24. September 2008

Acht Tage nach dem letzten Aufeinandertreffen mit dem MSV Duisburg kreuzten die Zebras vom Niederrhein schon wieder in der Allianz Arena auf, diesmal zum Spiel der 2. DFB-Pokal-Runde.

Da die Dauerkarten für Pokalspiele nicht gelten und vier Niederlagen in fünf Spielen schon sehr aufs Gemüt der Löwenfans drückten, wurden 1860-duisburg-pokal-230908-031.jpgim Vorverkauf nur 4.130 Tickets abgesetzt, im Stadion anwesend waren dann 5.500 Zuschauer….es schein ein Geisterspiel zu sein.

Die Löwen-Fans gaben zwar Gas, stellten aber erstmal Forderungen an die Mannschaft, schon zum Anpfiff hallte ein lautes „Wir woll´n Euch kämpfen seh´n“ durch die fast vollkommen leere Betonschüssel in Fröttmaning. Über 60.000 graue, leerstehende Sitzschalen verstärkten den Eindruck eines grauenhaften Abends.

Die Mannschaft des 1. FC Nürnberg (spielt heute im Pokal ebenfalls in Fröttmaning) machte es sich im Block 102 bequem. Da wir erst am allerletzten Spieltag vor Weihnachten auf den Bundesliga-Absteiger treffen, können die Eindrücke, die sie von unserer Mannschaft gestern Abend gewonnen haben, ihnen gar nicht weiterhelfen. Im Hotel hätten sie sicher mehr Spaß gehabt.

1860-duisburg-pokal-230908-036.jpgDas Spiel passte sich dem Umfeld an und plätscherte so dahin, man merkte, dass bei beiden Mannschaften derzeit der Wurm drin ist. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit stockte allen Löwen der Atem, Duisburg hatte ein optisch fast einwandfreies Tor erzielt, doch der Schiri verweigerte zum zweiten Mal an diesem Abend einem Duisburger Tor wegen Abseits die Anerkennung, da haben wir sauber Glück gehabt.

Die Verlängerung brachte eigentlich auch keine weiteren Highlights, es kam zum Elfmeterschießen. Alle Schützen des TSV 1860 trafen (Berhalter, Gebhart, Torben Hoffmann und Ledgerwood), für Duisburg verschoss Makiadi in bester Roberto Baggio-Manier (also über die Latte) und so blieb es 1860-Kapitän Daniel Bierofka vorbehalten, das Spiel mit dem letzten Elfer des Abends zu beenden. Wieder lief es nicht glatt, der Duisburger Torwart war mit den Fingern am Ball, doch das Leder kullerte von dort gemächlich über die Linie. Großes Durchatmen bei allen Löwen in der Arena.

lowen-elfer-230908.jpg457.000 Euro hat der Verein durch diesen Glücksschuss eingenommen und vielleicht kommen durch einen attraktiven Gegner noch mehr Gelder für die angeblich leere Löwen-Kasse zusammen. Die Auslosung des Achtelfinales (Ende Januar 2009) findet voraussichtlich am Sonntag, 5. Oktober im Rahmen der ZDF-Sportreportage statt.

Eine Reise nach Sankt Pauli – die Löwen waren schwach wie nie

Montag, 22. September 2008

Am 10. März 2008 begann mit dem Bericht von der Busfahrt nach St. Pauli meine Karriere als Löwen-Blogger von Hacker-Pschorr – jetzt durften wir seitdem zum zweiten Mal auf den Kiez reisen und waren hoffnungsvoll, dass die sportliche Wende vollendet wird, doch wieder ging es in Hose: Die Löwen verloren 0:1 und krebsen weiter im Tabellenkeller der 2. Liga herum.

stpauli-001.jpgNachdem wir in weniger als sechs Stunden mit dem Hochgeschwindigkeitszug ICE in Hamburg angekommen waren, verschlug es unsere Reisegruppe, bestehend aus Mitgliedern der „Blue Pirates Murnau“ und mir, auf eine sogenannte Barkasse (ein Schiff) auf der Elbe. Gegen Barkasse durften wir für wenig Geld das „Tor zur Welt“ vom Wasser aus erkunden. Der Sandstrand in Övelgönne (Foto) war sehr beeindruckend. Wo sonst gibts schon mitten in der Stadt einen echten, natürlichen Sandstrand?

Zurück an Land begab ich mich in die Fankneipe „Hermanns“, wo sich schon sehr viele Löwenfans eingefunden hatten. stpauli-011.jpgDanach wollte ich eigentlich zum Fanladen des FC St. Pauli, blieb aber in einer Kaschemme namens „Raval“ hinter dem Gästeblock in der Feldstraße hängen, weil sich dort Lothar Langer vom Fanprojekt München alleine aufhielt. Sehr bittere Szene, als ein paar Leute von der 1860-Fangruppierung Cosa Nostra zu uns stießen: Nach ein paar Sekunden wurde ihnen von der Wirtin, die ein braunes T-Shirt der verfeindeten „Ultras Sankt Pauli“ trug, nahegelegt, das Lokal zu verlassen. Aber nicht, weil sie unfreundlich waren, sondern weil die Wirtin ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Hamburger Ultra-Freunden hatte. Traurig, was aus dem FC Sankt Pauli geworden ist.

stpauli-021.jpgEine halbe Stunde vor dem Anpfiff betrat ich dann das Millerntor-Stadion, rund 1000 Löwenfans bevölkerten den Gästeblock. Dann der peinliche Auftritt eines von einem Sponsor angeheuerten Fanstadionsprechers: Er las fast alle Namen der Löwen-Spieler falsch vor. So beschämend hatte sich Sechzig noch nie am Millerntor präsentiert.

Die Mannschaft von Trainer Mraco Kurz ließ sich davon umgehend beeindrucken und legte eine matte Vorstellung auf den Rasen, die allen anwesenden Löwen-Fans die Sprache verschlug. stpauli-026.jpgNull zu Eins hieß das bittere Endergebnis, die vierte Niderlage im fünften Spiel, solch eine schlechte Bilanz hatten wir nicht mal in der Zeit der Abzocker in den Bayernliga-Jahren. Nach dem Spiel beschwerten sich die Fans lautstark bei Mannschaft, Trainer und Manager und ließen ihrem Unmut freien Lauf. Passiert ist jedoch nichts.

Anschließend traf ich mich mit Freunden aus alten St. Pauli-Zeiten (als Löwen und St. Paulianer sich noch gut miteinander verstanden), die versuchten, mich aufzubauen. Auch hier wurden wir auf den unsäglichen Fanstadionsprecher angesprochen. Dieser Frust musste ertränkt werden. Auf der Reeperbahn nachts um Halb Eins und später ist mehr los als zur Adventszeit in der Münchner Fußgängerzöne.

Um 4:57 Uhr verließen wir die Hansestadt Hamburg gesenkten Hauptes wieder per ICE und als ich am Samstagvormittag um kurz vor 11 Uhr aus dem Zug in München stieg, gingen Jürgen Trittin und Renate Künast von den Grünen mit ihren Rollkoffern, aber ohne Bodyguards, vor uns her. Sie hatten nur ein Ziel, die Wiesn. Ich hatte nur ein Ziel, nämlich mein Bett, was ich gegen 11:30 Uhr auch erreichte.

Endlich der erste Sieg – vor 18.500 Zuschauern

Dienstag, 16. September 2008

Nach drei Niederlagen (jeweils 1:2) am Stück und zwei quälend langen Wochen, in denen die Münchner Boulevardpresse über die Entlassung von Trainer Marco Kurz spekulierte, gelang der Mannschaft am Montagabend endlich das Bekenntnis zum Trainer, sie siegten gegen den MSV Duisburg (die in lilafarbenen Trikots, Hosen und Stutzen aufliefen) mit 2:0.

arena-leer-150908.jpgDer „vorbildliche Kapitän“ Daniel Bierofka schaffte dabei in der ersten Halbzeit nach wunderschöner Vorarbeit von Markus Thorandt per Kopfball den Führungstreffer. Zum ersten Mal in dieser Zweitligasaison geriet Sechzig nicht 0:1 in Rückstand, sondern ging endlich mal in Führung. In der zweiten Halbzeit wollte Marco Kurz gerade Nachwuchsstürmer Manuel Schäffler für Toni Di Salvo einwechseln, als sich Lars Bender an der Nase verletzte und hinausgeführt wurde. Kurz disponierte kurz um und brachte U19-Europameister Timo Gebhart für Bender.

Und wie das Schicksal so spielt: Rund zehn Minuten später drückte Timo Gebhart das Leder zum 2:0 über die Linie, nachdem Benny Lauth nur den Torwart getroffen hatte und der Abpraller Timo vor die Füße fiel. So isses nun mal: Wenns läuft, dann läufts und keiner weiß, warum es vorher nicht klappte. Manuel Schäffler durfte kurz später dann übrigens doch noch rein.

Die Kulisse in der Arena war entsprechend Anlass und Termin nur mäßig gefüllt. Genau 18.500 Zuschauer hatten sich nach Fröttmaning verirrt, zu sehr nagte die Niederlagenserie auf der Seele der meisten Löwenfans. Die Ansetzung 20:15 Uhr wegen der Liveübertragung im Deutschen Sport-Fernsehen gab dem Schatzmeister von 1860 den Rest.

torjubel-gg-duisburg-150908.jpgDoch die Stimmung war, wie schon so oft bei geringeren Zuschauerzahlen, besser, als wenn 20.000 weitere Leute, und darunter dann auch viele Eventbesucher da gewesen wären. Die Cosa Nostra sang, was das Zeug hergab, zwei Vorsänger hatten sich auf Wellenbrechern postiert, um sowohl nach links als auch rechts vom Block 130 die Gesänge anheizen zu können.

Zu guter Letzt bekam auch das Deutsche Sportfernsehen seinen Spruch ab, als sich Nord-und Südkurve (auch die angereisten Duisburger sangen mit) verbündeten und in einem Wechselgesang „Scheiß DSF“ anstimmten. Es war sogar im Fernsehen zu hören, wie ich mir haben sagen lassen….. Weiter gehts am Freitag in Hamburg-Sankt Pauli mit dem Gastspiel der Löwen am Millerntor.


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