Eine Reise nach Sankt Pauli – die Löwen waren schwach wie nie
Am 10. März 2008 begann mit dem Bericht von der Busfahrt nach St. Pauli meine Karriere als Löwen-Blogger von Hacker-Pschorr – jetzt durften wir seitdem zum zweiten Mal auf den Kiez reisen und waren hoffnungsvoll, dass die sportliche Wende vollendet wird, doch wieder ging es in Hose: Die Löwen verloren 0:1 und krebsen weiter im Tabellenkeller der 2. Liga herum.
Nachdem wir in weniger als sechs Stunden mit dem Hochgeschwindigkeitszug ICE in Hamburg angekommen waren, verschlug es unsere Reisegruppe, bestehend aus Mitgliedern der „Blue Pirates Murnau“ und mir, auf eine sogenannte Barkasse (ein Schiff) auf der Elbe. Gegen Barkasse durften wir für wenig Geld das „Tor zur Welt“ vom Wasser aus erkunden. Der Sandstrand in Övelgönne (Foto) war sehr beeindruckend. Wo sonst gibts schon mitten in der Stadt einen echten, natürlichen Sandstrand?
Zurück an Land begab ich mich in die Fankneipe „Hermanns“, wo sich schon sehr viele Löwenfans eingefunden hatten.
Danach wollte ich eigentlich zum Fanladen des FC St. Pauli, blieb aber in einer Kaschemme namens „Raval“ hinter dem Gästeblock in der Feldstraße hängen, weil sich dort Lothar Langer vom Fanprojekt München alleine aufhielt. Sehr bittere Szene, als ein paar Leute von der 1860-Fangruppierung Cosa Nostra zu uns stießen: Nach ein paar Sekunden wurde ihnen von der Wirtin, die ein braunes T-Shirt der verfeindeten „Ultras Sankt Pauli“ trug, nahegelegt, das Lokal zu verlassen. Aber nicht, weil sie unfreundlich waren, sondern weil die Wirtin ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Hamburger Ultra-Freunden hatte. Traurig, was aus dem FC Sankt Pauli geworden ist.
Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff betrat ich dann das Millerntor-Stadion, rund 1000 Löwenfans bevölkerten den Gästeblock. Dann der peinliche Auftritt eines von einem Sponsor angeheuerten Fanstadionsprechers: Er las fast alle Namen der Löwen-Spieler falsch vor. So beschämend hatte sich Sechzig noch nie am Millerntor präsentiert.
Die Mannschaft von Trainer Mraco Kurz ließ sich davon umgehend beeindrucken und legte eine matte Vorstellung auf den Rasen, die allen anwesenden Löwen-Fans die Sprache verschlug.
Null zu Eins hieß das bittere Endergebnis, die vierte Niderlage im fünften Spiel, solch eine schlechte Bilanz hatten wir nicht mal in der Zeit der Abzocker in den Bayernliga-Jahren. Nach dem Spiel beschwerten sich die Fans lautstark bei Mannschaft, Trainer und Manager und ließen ihrem Unmut freien Lauf. Passiert ist jedoch nichts.
Anschließend traf ich mich mit Freunden aus alten St. Pauli-Zeiten (als Löwen und St. Paulianer sich noch gut miteinander verstanden), die versuchten, mich aufzubauen. Auch hier wurden wir auf den unsäglichen Fanstadionsprecher angesprochen. Dieser Frust musste ertränkt werden. Auf der Reeperbahn nachts um Halb Eins und später ist mehr los als zur Adventszeit in der Münchner Fußgängerzöne.
Um 4:57 Uhr verließen wir die Hansestadt Hamburg gesenkten Hauptes wieder per ICE und als ich am Samstagvormittag um kurz vor 11 Uhr aus dem Zug in München stieg, gingen Jürgen Trittin und Renate Künast von den Grünen mit ihren Rollkoffern, aber ohne Bodyguards, vor uns her. Sie hatten nur ein Ziel, die Wiesn. Ich hatte nur ein Ziel, nämlich mein Bett, was ich gegen 11:30 Uhr auch erreichte.
Dieser Beitrag wurde vor am Montag, 22. September 2008 um 16:40 Uhr veröffentlicht und unter Allgemeines, Auswärts gespeichert. Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrer Website hierher setzen.

