Unentschieden in der Pfalz – damit kann man zufrieden sein
Donnerstag, 6. November 2008Ausgerechnet das Spiel beim 1. FC Kaiserslautern, mit dessen Fans viele Löwen-Anhänger immer noch eine tiefe Freundschaft pflegen, wurde von der Deutschen Fußball-Liga auf Montag gelegt. Ich selbst wollte mit einem Wochenend-Ticket der Deutschen Bahn anreisen, was am Sonntag problemlos möglich gewesen wäre –Â
montags jedoch kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr am selben Tag zurück nach München. Ärgerlich.Â
So entschied ich mich, mit einem 9-Mann-Bus der „Blue Pirates Murnau“ mitzufahren, und da wir am Tag vorher, also am Sonntag, über Pfullendorf (dort spielte die U23 des TSV 1860) anreisten, musste ich gemeinsam mit zwei Münchnern erstmal mit dem Bayern-Ticket nach Murnau fahren. Von dort ging die ungewöhnliche Auswärtsfahrt über die Echelsbacher Brücke, Schloss Neuschwanstein (wann kommt man auf einer Auswärtsfahrt des TSV 1860 schon mal an Königsschlössern vorbei?) und das Allgäu rüber ins baden-württembergische “Ländle” nördlich des Bodensees.
In Pfullendorf gabs für unsere Amateure allerdings nicht viel zu holen, man unterlag mit 0:2 und weiter ging die Reise. Da unser Fahrer (ebenfalls ein Löwenfan) sehr zügig unterwegs war und wir sämtliche Landstraßen der schwäbischen Provinz durchkurvten, wurden wir sauber durchgeschüttelt, was der guten Laune aber keinen Abbruch tat, im Gegenteil.
Gegen 19 Uhr kamen wir in dem beschaulichen Örtchen Waldrohrbach in der Pfalz an. Dort bezogen wir unser Quartier, die nette Pension eines 73-jährigen Inhabers, in der wir die einzigen Gäste waren. Die „Blue Pirates“ hatten dort schon des öfteren genächtigt, da eine Freundschaft zum örtlichen FCK-Fanclub besteht. Der Abend wurde in der einzigen Gaststätte Waldrohrbachs, der „Pizzeria Rusticana“ bestritten. Der Bürgermeister und der Dorfpfarrer ließen sich uns zu Ehren sogar blicken und nahmen an dem gemütlichen Abend teil. Die Pizzen waren sooo groß, dass eine normale große Pizza auf zwei Teller passte.Â
Am nächsten Tag genossen wir die „Schullandheim-Atmosphäre“ in unserer Herberge und stellten uns, teilweise durch Kartenspielen, psychologisch auf den Abend am Lauterer Betzenberg ein. Die Sonnenstrahlen bescherten uns einen ungewöhnlich schönen Novembertag im Garten des Hauses. Irgendwann nach 16 Uhr gings dann los in Richtung Kaiserslautern. Da die Anzahl der Anrufe auf meinem Handy steigt,
je näher der Anpfiff eines Spiels naht, war es besonders blöd, dass man im Pfälzer Wald, den wir noch zu durchqueren hatten, oftmals schlechten Handyempfang hat.
Zum Spiel gibt es gar nicht so viel zu sagen, das 0:0 geht in Ordnung, auch wenn Sechzig weniger torgefährlich war als der FCK, der das Spiel weitgehend dominierte. Aber die Roten Teufel hatten zuletzt auch seit dem Frühjahr keinen Punkt mehr auf dem heimischen Betzenberg abgegeben und dass wir die ersten waren, die nach langer Zeit mal wieder einen Punkt entführten, darauf können die Löwen stolz sein.
Erwähnenswert waren aus meiner Sicht noch die lautstarken Proteste aus beiden Fankurven gegen die fanfeindliche Änderung der Anstoßzeiten zur nächsten Saison. Als mich ein Ordner fragten, warum unsere Fans denn „Scheiß DSF“-Transparente in die Luft hielten, war er ganz einsichtig, nachdem ich ihn fragte, was er denn glaube, wann wir nach dem Spiel nach Hause kämen? Letztlich war dies um 3:45 Uhr (in München-Giesing) der Fall, die Murnauer waren erst gegen halb 5 Uhr morgens daheim. Dem Kommerzfußball sei Dank!

