Archiv für Juli 2009

Wieder 1:0 gewonnen, aber 1860 viel besser als beim Heimatabend 2008

Montag, 27. Juli 2009

Zum zweiten Mal kam es heuer zum Giesinger Heimatabend, bei dem die Profis des TSV 1860 alljährlich ein Testspiel vor der Saison im Sechzgerstadion bestreiten. Seitdem die Löwen im Jahr 1995 aus dem von den Fans geliebten Sechzgerstadion ins ungeliebte Olympiastadion umgezogen sind und seit 2005 in der Allianz Arena spielen, fehlt eine dauerhafte Präsenz der ersten Mannschaft von Sechzig in der „Heimat“. Wenigstens mit diesem alljährlichen Event schaffte das aktuelle Präsidium schon einmal kurzzeitige Abhilfe.

Nachdem es letztes Jahr beim 1:0 gegen Liga-Kontrahent Kaiserslautern einen müden Sommerkick zweier müder Mannschaften gab, das durch ein Eigentor der Pfälzer entschieden wurde, war heuter von Anpfiff an mehr Zug drin. Die Defensive von 1860 stand gut, weil sie ja runderneuert und multinational aus  Radi Felhi (Tunesien), Mate Ghvinianidze (Georgien), Toni Rukavina (Serbien) und Jose Holebas (als einzigem Deutschen) besteht.

Ein gelungenes Debüt vor Münchner Publikum (7.159 Zuschauer hatten sich ein Ticket gekauft) feierte aber vor allem der 27 Jahre alte Rumäne Florin Lovin, der auf der Sechser-Position zeigte, wie schnell und sicher man spielen kann. Letzte Saison spielte Lovin mit Steaua Bukarest noch in der „Schwammerl-Liga“ gegen die Roten, jetzt ist er in der 2. Liga bei Sechzig gelandet. Wie man hört, für 100.000 Euro Ablöse, obwohl er bei www.transfermarkt.de einen Marktwert von 1 Million Euro hat, da ist Miki Stevic ein echtes Schnäppchen gelungen.

In der zweiten Halbzeit brachten die Einwechselspieler Ardijan Djokaj (laut Ewald Lienen ein passender Name für einen „Dschoker“) und Sandro Kaiser Schwung ins Spiel der Löwen. Djokaj war es auch, der mit einer Flanke auf den Kopf von Benny Lauth den Siegtreffer des TSV 1860 einläutete.

Die Fans waren glücklich, feierten „Miiiikkiii Steeeevicccc“ und Eeeewald Liiiiienen“ und forderten bereits „Niiiiie meeeehr zweite Liiiiigaaaa, nie mehr, nie mehr!“

Während des gesamten Spiels prangte an einem Wellenbrecher in der Stehhalle das Transparent „Giesing bleibt Workingclass“, vor dem Spiel hatten die Fans zusätzlich Spruchbänder mit den Aufschriften „Unser Glasscherbenviertel bleibt bonzenfrei“, „Gegen Mietpreiserhöhungen“ und „Boazn & Fußball pur statt Szenebars & Eventkultur!“ in die Höhe gehalten.

Eine berechtigte Forderung, wenn man weiß, dass demnächst an Stelle einer gemütlichen Gastwirtschaft in Untergiesing, in denen viele Löwenfans verkehren, eine Szenebar eröffnen soll, weil der alte Pachtvertrag ausläuft. Die Fans ließen den Heimatabend noch in der Stadionwirtschaft und sonstigen Kneipen Giesings ausklingen und bescherten den zahlreichen Wirten in Giesing endlich mal wieder Einnahmen, wie sie diese aus den Zeiten des TSV 1860 im Sechzgerstadion gewohnt sind.

1:0 gegen Aberdeen – Deutliche Fortschritte erkennbar

Sonntag, 19. Juli 2009

Die Serie der internationalen Testspiele setzten die Münchner Löwen gegen den Vierten der schottischen Premier League fort, als sie am vergangenen Samstag in Oberösterreich auf den FC Aberdeen trafen.

Ich reiste in einer siebenköpfigen Reisegruppe mit dem „Gammelticket“ (insgesamt 16 Euro pro Person) mit dem Regionalzug an. Am gesamten Vormittag regnete es in Strömen. Als wir in Salzburg auf unseren Zug nach Wels warteten, hieß es plötzlich „Zugausfall“. Angeblich hatte irgendwo ein Blitz eingeschlagen. Also mussten wir mit dem Schienersatzbus durchs Salzburger Land kurven. Nach über einer Stunde wurden wir an irgendeinem Provinzbahnhof rausgelassen und stiegen in den bereitstehenden Regionalzug nach Attnang-Puchheim um.

Letztendlich erreichten wir das „Hofmaninger-Stadion“ in Bad Wimsbach gegen 15 Uhr, knapp eine Stunde vor Spielbeginn. Ein kleiner Dorfplatz wie früher Frohnlach in der Bayernliga. Nach und nach trafen immer mehr Löwenfans am „Ground“ ein. Der kleine Platz führte dazu, dass man die Löwen-Stars und -Funktionäre hautnah zum Anfassen hatte und die Fans sich problemlos mit ihnen ablichten lassen konnten.

Die Löwen traten mit dem Rumänen Florin Lovin an, für den eine Gastspielgenehmigung eingeholt wurde. Er trug die Nummer 24 und zeigte vielversprechend, warum er verpflichtet werden soll. Kurz vor der Halbzeit zog der neue Linksverteidfiger José Holebas mit links ab und jagte den Ball mit 100 Sachen unter die Latte des Tors der Schotten.

In der 2. Halbzeit wechselte Ewald Lienen noch ein paar Mal aus, u.a. kamen Tarik Camdal und Charilaos Pappas aufs Feld, am Endstand von 1:0 änderte sich aber vor allem durch die sattelfeste Abwehr um Mate Ghvinanidze nichts mehr. Auf jeden Fall waren bei den Löwen große Fortschritte seit dem letzten Spiel am Donnerstag erkennbar, als es gegen Lech Posen in Kirchanschöring eine verdiente 0:1-Niederlage gab.

Nach dem Spiel kam es zu einigen sehr interessanten Gesprächen zwischen Fans und Funktionären. Auch Vizepräsident Franz Maget mischte sich unter die Anhänger und Miki Stevic und Manfred Stoffers nahmen sich viel Zeit, um mit den Löwenfans zu sprechen.

Wir mussten unseren Zug um 18:42 Uhr am Bad Wimsbacher Bahnhof, rund 100 Meter vom Platz entfernt, erwischen. Der Zug sah mehr aus wie eine gläserne Trambahn und die Strecke in die nächste „richtige“ Bahnstation Lambach war einspurig, sehr ungewöhnlich. Auch zwei Fans des FC Aberdeen waren mit uns unterwegs. In Wels trennten sich allerdings unsere Wege, die Schotten wollten nach Wien, und wir mussten über Passau zurück nach München, das wir gegen 0:40 Uhr erreichten.

Eine schöne Fahrt ins Grüne mit einem Erfolgserlebnis, wenngleich der FC Aberdeen, der demnächst in die Qualifikation zur Europa-League einsteigt, überrraschend wenig Torchancen hatte, nämlich keine einzige. Vielleicht spricht dies für die Defensive der Löwen um Radi Felhi und Gabor Kiraly. Wir werden es sehen.

Tolle Gegend – toller Gegner – 1:1 gegen Man City am Tegernsee

Montag, 13. Juli 2009

tegernsee-reisegruppe-1.jpgFür Samstag, 11. Juli hatten die Löwen einen hochkarätigen Testspielgegner verpflichtet: Manchester City, letzte Saison mit 50 Punkten Zehnter der Premier League und Arbeitgeber von Robinho sowie Roque Santa Cruz. 1860-Team Manager Robert Hettich hatte einen Tipp bekommen, dass Man City im Lauftrainingslager am Tegernsee weilte und so wurde kurzfristig dieses Spiel vereinbart.

Ich hatte mir über das Internetforum „Löwen-Bar“ (www.bar.sechzig-muenchen.de) eine Reisegruppe von 14 Löwenfans zusammengestellt, mit der wir die Tegernsee-Bahn um 14:42 Uhr nahmen. Nach unserer Ankunft entschieden wir uns mehrheitlich zwar, ins Bräustüberl Tegernsee zu gehen, als der Bus nach Rottach-Egern dann aber da stand, fuhren wir doch schon in den Spielort, man weiß ja nie.

Dort angekommen, fragte ich im Tourismusamt nach der besten Wirtschaft, die unsere Reisegruppe vor dem Spiel noch aufsuchen könnte. Doch es hieß, auf dem Weg zum „Stadion“ gebe es keine. Komisch, denn 20 Meter weiter entdeckten wir das bestmögliche Spieselokal. Die Wirtsleute der „Dorfschänke“ holten sogar extra den Koch früher in die Arbeit, damit wir alle etwas zu essen bekamen. Ich hatte Tiroler Gröstl.

1860mancity-fans-rottach-egern.jpgAm Nebentisch saßen fünf Fans von Manchester City. Die „Mancunians“, also Einwohner von Manchester, unterhielten sich ganz nett mit uns und teilten auch mit, dass sie die Fans des Lokalrivalen Man United in Sprechchören gerne als „fucking Munichs“ bezeichnen, weil Manchester United ja 1958 bei einem Flugzeugabsturz in München die halbe Mannschaft verlor. Gemeinsam gingen wir dann zum Ground, an einem idyllischen Bach entlang.

Rund 3000 Zuschauer hatten sich auf dem Dorfplatz eingefunden, mehr zog auch der FC Bayern nicht an, der hier schon des öfteren Testspiele ausgetragen hat. 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers machte wie gewohnt die Runde um den ganzen Platz (dies pflegt er bei Spielen in der Arena auch immer zu tun) und unterhielt sich mit Fans. 1860-mancity-lowenbank.jpgKurz vor der Halbzeit brandete plötzlich Jubel auf. Auf der anderen Seite des Platzes hatte Alexander „König“ Ludwig per Freistoß das 1:0 erzielt. Für alle Kritiker der Transferpolitik von Miki Stevic, die behaupten, dass wir mit Michael Schick den einzigen Spieler gehen ließen, der Freistöße und Ecken schießen kann, ein Schuss ins Genick. Wir haben jetzt einen noch besseren Schützen für Standardsituationen…

In der zweiten Halbzeit fiel zwar noch der Ausgleich durch den City-Stürmer Bojinov, doch dies tat der guten Stimmung keinen Abbruch, Sechzig war dem Sieg viel näher als Manchester City. Der Club war 2008 von Scheich Mansour bin Zayed aus Abu Dhabi für 185 Millionen Euro gekauft worden. Die TZ witzelte kurz nach der Bekanntgabe des Testspiels, dass für beide Vereine Geld keine Rolle spiele. 1860-mancity-spielplakat.jpgFür Man City, weil sie im Geld schwimmen und für Sechzig, weil wir seit Jahren keins mehr haben. Roque Santacruz und Robinho kamen beide übrigens nicht zum Einsatz, der Ex-Rote Roque war aber im Stadion und wurde von Löwenfans beschimpft.

Für uns ging es gegen 21 Uhr zu Fuß zurück zur Bushaltestelle in Rottach-Egern, zufälligerweise wieder in Begleitung der zwei Man City-Allesfahrer, die wir vor dem Spiel kennengelernt hatten. In Tegernsee bestiegen wir den letzten Zug des Tages nach München um 22:27 Uhr, sodass wir gegen halb 12 Uhr nachts wieder in München waren. Müde, aber glücklich, ein schönes Spiel gegen einen tollen Gegner in einer tollen Gegend gesehen zu haben. Sechzig sollte öfter gegen europäische Spitzenteams in reizvoller Landschaft kicken…


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