1:2 in Rostock – trotzdem ein gelungener Ausflug an die Ostsee
Sonntag, 16. August 2009
So, jetzt hamma den Salat, schon im zweiten Liga-Spiel der Saison gabs die erste Niederlage. Eine völlig unnötige noch dazu, denn die Löwen spielten nicht schlecht am Himmelfahrtstag. Sie vergaßen lediglich, ihre spielerische Überlegenheit in weitere Tore umzumünzen und ließen sich auskontern. Sehr ärgerlich.
„Die Einwechslungen brachten allesamt eine Schwächung der Mannschaft mit sich“, so sagte es mir ein Fan am Samstag in der DKB-Arena. Torwart Gabor Kiraly hatte nicht seinen besten Tag uns sah bei beiden Gegentoren unglücklich aus. Wenigstens traf Benny Lauth im 2. Saison-Spiel zum 2. Mal, so kann es weitergehen bei ihm.
Als Fan war ich sehr unglücklich über den Spielausgang, als Fanbeauftragter war ich jedoch sehr glücklich über den Ablauf unserer Reise, die ich für 50 Fans organisiert hatte.
Los gings am Freitag gegen 18 Uhr am Münchner Hauptbahnhof, als wir, mit 10 Kästen Hacker-Pschorr Hell aus der Marketingabteilung ausgestattet (herzlichen Dank dafür nochmal, Frau Zacher!) den ICE nach Hamburg bestiegen. Durch die neuen Anstoßzeiten lässt sich ein Spielbesuch am anderen Ende der Republik nicht mehr mit einer Anreise am Spieltag machen, so nahmen wir uns vor, den Hamburger Kiez zu entern.
In der Gerhardstraße auf Sankt Pauli (genau zwischen Hans-Albers-Platz und Herbertstraße) haben einige Löwenfans aus dem PRO1860-Umfeld seit 2 Jahren ein Stammlokal gefunden, in dem mittels einer Jukebox das Musikprogramm selbst bestimmt werden kann. Ein Schlager wie „Viva Espana“ (von Heino) wird dann natürlich von allen anwesenden Löwenfans in „Die Sonne scheint bei Tag und Nacht, im Grüüüünwalder Staaaadion“ umgetextet.
Um 6:36 Uhr fuhren wir, die meisten von uns ohne eine Sekunde Schlaf, mit dem Regionalzug weiter nach Rostock, von wo aus es sofort mit der S-Bahn nach Warnemünde weiterging. Nach einem zehnminütigen Fußmarsch an der Mole entlang erreicht man den wunderbaren Sandstrand von Warnemünde.  Auch wenn sich der Himmel über der Ostsee an diesem Samstagmorgen um 10 Uhr wolkenverhangen präsentierte, so war es doch wohltuend und angenehm, im feinen Sand zu liegen, ein bisschen entspannen und die Seele baumeln lassen zu können.
Am Mittag fuhren wir dann zurück nach Rostock, wo um 13 Uhr das Spiel angepfiffen wurde. Auf dem Fußweg von der S-Bahn zum Stadion wurden wir natürlich von massivem Polizeiaufgebot begleitet, das mit den Löwenfans aber einen ruhigen Nachmittag verlebte. Die „Lauf Wessi Lauf“-Aufkleber auf einigen Ampelmasten und an Häuserwände geschmierte Parolen wie „Die Wende machte aus uns Monster“ deuteten jedoch an, dass die Mauer in den Köpfen immer noch aufrecht steht, zumindest in Rostock.
Nach dem Spiel fuhren rund 100 Löwenfans mit einem Gelenkbus, den ich für unsere Reisegruppe bei den Rostocker Verkehrsbetrieben angemietet hatte, vom Gästeblock direkt zum Bahnhof zurück. Dort wurden wir unter Polizeischutz zum Gleis gebracht, vorne und hinten umringt von hasserfüllten Hansa Rostock-Fans. Man spürt, was die Eingeborenen mit einem machen würden, wenn keine Polizei in der Nähe wäre….
Über Hamburg ging es per Intercity und ICE zurück nach München, das wir kurz vor 1 Uhr in der Nacht zu Sonntag erreichten. Einige unermüdliche Löwenfans frequentierten auch nach diesem 30-Stunden-Trip noch das Münchner Nachtleben.
Das nächste Spiel der Löwen-Profis steigt am Montagabend, 24. August um 20:15 hr in der Fröttmaninger Arena gegen den Karlsruher SC, die U23 spielt schon am Freitag, 21. August (18:60 Uhr) gegen die Amateure des 1. FC Nürnberg im Sechzgerstadion.


Zum ersten Mal seit 2004 mussten die Löwen zum Start der 2. Liga mal nicht auswärts ran. Auch wenn viele Löwenfans sagen, Spiele in Fröttmaning seien Auswärtsspiele der Löwen…
„Den Löwen tief im Herzen tragen und den Traum vom Aufstieg wagen“ hatte die Cosa Nostra getextet, dazu wurden tausende weiße und blaue Papptafeln und eine blaue Fahne mit dem 1860-Wappen in Herzform hochgehalten, ein stimmungsvoller Einstieg in die ersten 90 Minuten dieser Zweitliga-Saison.
Von dort sprang der Ball nach unten und wieder raus aus dem Tor. Der Schiedsrichter entschied sofort auf Tor, aber beruhigend war es schon, dass alle 26.000 in der Arena anwesenden Menschen wenige Sekunden später auf der Anzeigetafel sehen konnten, wie der Ball eindeutig die Linie überquert hatte.
In der zweiten Halbzeit gab es kurz vor der 60. Minute einen Aufreger, als der Schiedsrichter die Einwechslung von Pappas für Kaiser hinauszögerte. Als Charilaos Pappas wenige Sekunden auf dem Feld war, wollte er mit der Hacke auf die rechte Strafraumseite verlängern, ein Koblenzer fälschte den Ball aber genau in die Mitte ab, wo Benny Lauth mutterseelenallein vor Yelldell ans Leder kam und aus zehn Metern zum 2:0 traf.
Auch Pat Cortina, der Trainer des EHC München, EHC-Manager Christian Winkler (ein alter Löwe) und Sky-Reporter Michael Leopold wurden im Block 104 gesichtet. Schön, dass man solch hochkarätige Eishockey-Experten auch bei den Löwen trifft…
Nach dem Spiel ließ sich Ewald Lienen wieder mit Notizzettel in der Hand von den Fans feiern. Hoffentlich sehen wir ähnliche Szenen auch beim ersten richtigen Auswärtsspiel der Saison in Rostock (Samstag, 15. August, 13 Uhr). Ich fahre mit 50 Löwenfans im Zug über Hamburg an die Ostsee und werde nächste Woche an dieser Stelle von unserem Trip berichten.
Die Polizeiinspektion 23 tat im Vorfeld auch alles dafür, dass es bei diesem „Middle Risk“-Spiel (letztes Jahr hatte es in Giesing kurz gescheppert, als die Kassseler Fans sich aufführten) dieses Mal ruhig bleiben konnte. Leider gab es nach dem Spiel erneut kurze Auseinandersetzungen zwischen Fans beider Lager, aber die geänderte Polizeitaktik, wie die Gästefans zum Bus gebracht werden, hat sich meines Erachtens bewährt.
In Fankreisen gab es einige neue Entwicklungen: Fans haben ein Sammelalbum (wie früher von Panini) produziert. Man kann pro Spiel 4 Klebebilder mit Bildern von U23-Spielern und Funktionären kaufen und sie in ein Album einkleben. Die Crew der Stadionzeitung ”Ama-Lion” hat für diese Saison zwei stumme Verkäufer besorgt (aus alten Beständen des Münchner Merkur), wahrscheinlich wird an keinem Zeitungsverkaufsständer so ehrlich gezahlt wie bei diesem….
Das 1:0 erzielte er per Winkelschuss von der Strafraumkante (ich muss mich auf die Beschreibungen von Fans und Medien beziehen, weil ich beim Torschuss leider gerade wichtige Gespräche führte), das 3:1 per Seitfallzieher. Die Begeisterung lag jedoch nicht nur bei den Löwenfans auf den Rängen, auch Tarik selbst bejubelte beide Treffer, als hätte er damit gerade den Aufstieg in die Dritte Liga besiegelt.
Nachdem der erste Ärger über die verschenkten Punkte verraucht ist, bleibt von diesem Abend vor allem hängen, dass die Löwen auch bei der U23 wieder eine richtig spielstarke Mannschaft haben. Das nächste Spiel der Amateure steigt quasi zeitgleich zum Auftritt der Profis am Samstag in Rostock, nämlich um 14 Uhr in Aalen.