3:2 im Schlussspurt – Schwarze Löwen trumpfen auf

Ein relativ langweiliger Gegner (SV Wehen-Wiesbaden II) bescherte den 1.150 Fans der Löwen-Amateure am vergangenenen Mittwochabend einen denkwürdigen Abend. Doch der Reihe nach.

Ich stand noch draußen am Stadiontor, um einer zu spät gekommenen Freundin das versprochene Ticket durch den Zaun fürs Spiel zu geben und kam dadurch zu spät in den Zuschauerbereich. Ein anderer Freund berichtete vom ersten Gegentor in der 2. Minute, da bemerkte ich durch einen Blick auf die Anzeigetafel, dass es sogar schon 1:1 stand.

david-manga.jpgDavid Manga, der am 3. Februar 1989 in Paris geboren wurde und ursprünglich bei den Amateuren von Paris St. Germain kickte, hatte einen Elfmeter nach Foul an Tobias Strobl eiskalt verwandelt. Der junge Franzose hat, wie ich mir gestern sagen ließ, die doppelte Staatsbürgerschaft, besitzt neben dem französischen Pass auch einen von Kamerun. Spielberechtigt für die U23 ist er jedenfalls durch den EU-Pass.

Das Gegenteil ist leider bei Emanuel Biancucchi der Fall. Der Argentinier, dessen Onkel einst aus Italien nach Argentinien auswanderte, ist seit einem Jahr bei 1860 und durfte letzte Saison nicht spielen, weil man als Nicht-EU-Bürger eben nicht in der Regionalliga ran darf. Diese Regelung gibt es anscheinend, um junge deutsche Spieler vor zu vielen Import-Ausländern im Fußballmarkt zu schützen.

Zuletzt gelang es den Verantwortlichen der U23 jedenfalls, durch einen Vermerk des KVR München in Biancucchis Aufenthaltsgenehmigung, die Spielberechtigung seitens des Süddeutschen Fußballverbandes zu erwirken. Der DFB widerrief diese nun leider, sodass Biancucchi weiter auf der Tribüne schmoren muss. Welchen Sinn es macht, einen ebenfalls jungen Spieler so zu ärgern, nur weil er den falschen Pass hat, ist äußerst fragwürdig.

ama-lion-020909-1860-ii-wehen-ii.jpgAuf dem Titelbild des Ama-Lion vom Mittwoch war Biancucchi nach seinen guten Leistungen der vergangenen Wochen wenigstens abgedruckt, auch wenn er diesmal nicht mithelfen durfte, die Punkte einzufahren.In der 36. Minute gab es dann einen weiteren Foulelfmeter, diesmal für die Gäste, und so ging es mit dem ernüchternden Stand von 1:2 in die Pause. In der 2. Halbzeit gaben die Löwen alles, hatten Chance um Chance, aber der Ball wollte einfach nicht hinter die Torlinie des Tors von Wehen gehen.

imbongo-boele-buchbach.jpgAls alle schon mit einer Niederlage der Löwen rechneten, nahm sich der kurz zuvor eingewechselte Dimitry Imbongo Boele in der 83. Minute ein Herz, zog mit links aus 26 Metern ab, der Ball schlug über dem Gästetorwart Marinovic an die Unterkante der Latte und von dort zum 2:2 ins Wehener Tor. Bis zum Schluss taten die Löwen alles, um den Siegtreffer zu erzielen und wurden in der Nachspielzeit belohnt.

Der Unterföhringer Peniel Mlapa kam über die linke Seite, schoss aufs lange Eck, der Wiesbadener Keeper konnte den Ball nur nach vorne abwehren, erneut war Imbongo Boele zur Stelle und staubte zum 3:2 ab.

anzeigetafel-gg-wehen-ii.jpgSomit wurde ein eben erst aus der A-Jugend in die U23 aufgerückter junger Spieler zum Matchwinner. Der am 28.03.1990 in Kinshasa (Demokratische Republik Kongo, ehemaliges Zaire) geborene Stürmer (er hat ebenfalls den französischen Pass) freute sich wie ein Schnitzel über seine beiden Tore und brachte die Stehhalle zum Beben. Ein bereits verloren geglaubtes Spiel drehten die Löwen-Amateure in den letzten sieben Minuten noch in einen Heimsieg um, was kann es schöneres geben?

Am Samstag, 05.09. spielen die jungen Löwen bei der SpVgg Weiden, der alten Bayernliga-Rivalin aus den 80er-Jahren, wo 1860 viele bittere Pleiten, aber auch einmal (1993) einen souveränen 5:2-Sieg erlebte. Das nächste Heimspiel im Sechzgerstadion steigt erst wieder kurz vor dem Wiesn-Auftakt, am Donnerstag, 17.09. (18:30 Uhr) gegen Darmstadt 98.

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