“Scheiß Paderborn – wir haben gute Laune”
“Endlich mal wieder zu Null“ – so lautete der sarkastische Kommentar eines Fans nach dem Spiel. 0:0 gegen Paderborn, ein fürchterliches Ergebnis. Die Euphorie nach dem Pokalsieg gegen Hertha ist damit wieder verflogen.
Ich musste mit der U-Bahn in die Arena fahren, weil mein Fahrer diesmal keine Lust auf die Arena hatte. Am Fröttmaninger U-Bahnhof sah ich den Fanartikelstand mit den Schals, alles keine offiziellen Produkte des TSV 1860, und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sind zwei, drei ganz schöne Motive dabei.
21.500 Zuschauer fanden sich im weiten Rund ein, eine beachtliche Zahl angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen der Mannschaft und der Tatsache, dass die Wiesn und die Bundestagswahl den TSV 1860 eher Zuschauer kosten als sie ihm zuzuführen. Aber auch enttäuschend nach dem Pokalsieg gegen Hertha BSC. Es lag dann wohl auch ein bisserl am Gegner. Paderborn, oder wie viele Fans diese Stadt nennen, „Paderboring“, ist halt ein Sinnbild des grauen Zweitliga-Alltags, den die Löwen seit fünf Jahren ihren Anhängern zumuten.
Vor dem Spiel hatte die “Cosa Nostra” ihre traditionelle Wiesn-Choreo vorbereitet, kurz vor dem Anpfiff wurde das gemalte Transparent dann in der Nordkurve ausgebreitet: „So g´foit ma des“ sollte das Motto für den Wiesn-Besuch nach dem Spiel lauten. Die Jungs konnten nicht ahnen, dass die Mannschaft ihnen keinen Anlass bieten würde, diesen Spruch auch wirklich zu tätigen…
In der ersten Halbzeit konnte ich keine einzige Torchance auf beiden Seiten entdecken. In der Pause musste ich ausnahmsweise auf die Business-Tribüne, um Birgit Zacher von Hacker-Pschorr zu treffen. Dabei begegneten mir dann auch viele andere interessante Menschen, unter anderem IMG-Mitarbeiter Olufemi Smith, der vor einem Jahr in der Pro7-Sendung „Schlag den Raab“ 2,5 Millionen Euro gewann, aber trotzdem noch bei 1860 arbeitet. Er trug wie alle IMG-Angestellten ein Trachtenhemd und Lederhosen. Und das als gebürtiger Hamburger
Franz Maget, der Vizepräsident des TSV 1860 und Mitglied des Bundesvorstandes der SPD, saß alleine in seinem Stuhl und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Auf meine Frage, wo er den Wahlabend verbringe, teilte er mir mit, dass er um 17 Uhr nach Berlin fliegen müsse.
Die zweite Halbzeit verbrachte ich mit meinem Freund Sebastian „C.C.Diamond“ Baier, der extra wegen der Wiesn aus Stockholm eingeflogen war, im Block 104. Wenigstens zwei Aufreger hatten die Minuten 76 und 90 zu bieten: Zunächst lief der eingewechselte Stefan Aigner auf den Paderborner Torwart zu, um ihn wegen des Zeitspielens zu ernahmen. Es kam zu einer kurzen Rempelei an der Strafraumgrenze. Der Schiedsrichter erkannte eine Tätlichkeit und zückte sofort die Rote Karte gegen Aigner. Der Hass der Zuschauer hielt sich in Grenzen. Leider auch der der Löwen-Truppe auf dem Feld.
Als die Stadionuhr von 89:59 auf 90:00 umsprang, stand plötzlich der ebenfalls eingewechselte Peniel Mlapa allein vor dem gegnerischen Tor und warf sich artistisch in die Luft. Leider prallte sein Seitfallzieher gegen die Latte und nicht ins Tor, sondern zurück ins Spielfeld. Das wars, wieder kein Sieg gegen Paderborn.
Ich ließ den Tag trotzdem mit einem Freund auf der Wiesn ausklingen, wo mich schon bald die SMS mit der ersten Hochrechnung der Bundestagswahl erreichte. Ich musste an 1860-Vizepräsident Franz Maget denken, für den es ein doppelt schwarzer Sonntag geworden ist. In München und in Berlin.
Dieser Beitrag wurde vor am Montag, 28. September 2009 um 14:11 Uhr veröffentlicht und unter Allgemeines, Dahoam gespeichert. Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrer Website hierher setzen.

