Nur 2:2 nach 2:0 – eine gefühlte Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf
Montag, 30. November 2009
Nach langen Jahren kam der Traditionsclub Fortuna Düsseldorf mal wieder zu einem Gastspiel nach München. Rund 4000 Fortuna-Fans sorgten dafür, dass die Zuschauerzahl dann doch über 20.000 lag, offiziell waren es 22.400 Zuschauer im weiten Rund der Fröttmaninger Arena. Im Düsseldorfer Gästeblock hing ein Transparent mit der Aufschrift „Stehen wir auf Deinem Zettel, Ewald?“ zu Ehren von 1860-Coach Lienen, der im Westen der Bundesrepublik ziemlich beliebt zu sein scheint.
In der ersten Halbzeit spielten die Löwen nicht schlecht und gingen nach 36 Minuten durch Alexander Ludwig in Führung. Eine schöne Kombination von Lauth und Ludwig (Doppelpass) leitete den vielumjubelten Treffer ein.
Als nach 63 Minuten Torben Hoffmann den Ball am gegnerischen Torwart vorbei ins Netz spitzelte, schienen die Löwen bereits auf der Siegerstraße zu sein. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Durch einen „nicht existierenden Freistoß“ (Lienen), den Düsseldorfs Jovanovic ins Kreuzeck zirkelte, kam die Fortuna in der 70. Minute auf 1:2 heran. Nur drei Minuten später konnte 1860-Goalie Gabor Kiraly das Leder nach einem Eckball nicht weit genug wegboxen, der Ball kam zu Patrick Zoundi, der sich quer in die Luft legte und den Ball zum 2:2-Ausgleich ins Netz drosch.
Im Fortuna-Block, wo ich mich während der zweiten Halbzeit aufhielt, um mich mit meinem Düsseldorfer Fanbeauftragtenkollegen Jörg Emgenbroich zu unterhalten, waren alle außer Rand und Band, Bierbecher flogen durch die Luft.
Schade, dass es uns nicht mal irgendwann in dieser Saison gelungen ist, einen 0:2-Rückstand aufzuholen, denn das macht Spaß….wie man den Düsseldorfer Fans deutlich anmerkte. Auch die Einwechslungen von Peniel Mlapa, Sandro Kaiser und Emanuel Biancucchi brachten nicht mehr die erhoffte Wende für die Löwen, das Spiel endete schließlich schiedlich und friedlich mit 2:2. Für alle Löwen eine Enttäuschung. Eine 2:0-Führung aus der Hand zu geben, das fühlte sich wie eine Niederlage an. Der TSV 1860 dümpelt mit nunmehr 15 Punkten also weiter auf Platz 15 der 2. Liga herum.
Nächsten Sonntag gehts weiter bei Rot-Weiß Oberhausen. Nach furiosem Saisonstart sind die Malocher vom Niederrhein im Mittelfeld der Zweiten Liga versunken. 130 Tickets für den Gästeblock wurden an der Grünwalder Straße 114 verkauft, man kann also mit maximal 300 Löwenfans am kommenden Sonntag im Niederheinstadion rechnen.


Held des Tages war der Grieche Charilaos Pappas, der in den Monaten zuvor schon als Fehleinkauf bezeichnet wurde. Sportdirektor Miki Stevic hatte zwar immer betont, dass Neuzugang Pappas erst in der Rückrunde richtig aufblühen werde, aber so richtig dran glauben wollte fast niemand mehr. In der 82. Minute umkurvte Pappas nach schönem Pass von Benny Lauth den Bielefelder Torwart Dennis Eilhoff, der damit sein erstes Gegentor nach 843 Minuten kassierte.
Am Bamberger Stadion angekommen, setzten wir uns in ein neu eröffnetes griechisches Lokal, um unserem Helden vom Vorabend, Charilaos Pappas, zu huldigen. Die Amateure des TSV 1860 verloren leider durch einen Glücksschuss ins Kreuzeck mit 0:1. Anschließend gings zurück nach München, das ich nach rund 30 Stunden wieder erreichte.
Darauf sieht man unter anderem das Transparent, das die CN für Guido Erhard gesprüht hat. Ex-Löwe Guido Erhard (1990 bis 1995 beim TSV 1860) litt ähnlich wie Robert Enke an starken Depressionen, war sogar manisch-depressiv. Im Februar 2002 warf er sich in Offenbach vor einen Zug und starb im Alter von 32 Jahren.
Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer bescherte uns der Spielplan ein Punktspiel im hintersten Winkel der ehemaligen DDR, nämlich in Cottbus in der Niederlausitz. In den gemeinsamen Jahren von TSV 1860 und Energie Cottbus in der Bundesliga und bei den beiden Auswärtsspielen in den Jahren zwischen 2004 und 2006 war ich nie in der Lausitz dabei. So war das Spiel am 8. November 2009 mein allererstes Spiel im Stadion der Freundschaft in Cottbus.
Mit rund 50 Löwenfans fuhr ich im Linienzug (für 65,- Euro pro Person) sehr früh an diesem Sonntag los. Um kurz nach halb 5 Uhr morgens war Treffpunkt im Münchner Hauptbahnhof, um 5:16 Uhr ging der ICE nach Leipzig. Dort und in Ruhland mussten wir in Regionalzüge umsteigen. Unser Mitfahrer Markus Drees, der ehemalige 1. Vorsitzende der „Freunde des Sechzgerstadions e.V.“ wies uns als ehemals in Dresden ausgebildeter Doktor der Chemie den Weg durch die Bahnhöfe des Ostens, die wir alle ja gar nicht so gut kennen, da es immer weniger Ostklubs in den Profiligen gibt.
In Cottbus selbst waren nur rund 200 Löwenfans vor Ort dabei, darunter jedoch so illustre Namen wie Gregor Stöckl (links im Bild), der ehemalige „Head of International“ bei der ehemaligen Münchner Plattenfirma „Virgin Schallplatten“ (in seine Zeit in der Herzogstraße in Schwabing fielen u.a. die großen Charterfolge von Placebo und Reamonn), der jetzt in Berlin lebt und Leslaw Popik aus Bielsko Biala bei Katowice in Polen, unser polnischer Löwenfan (im Bild oben).
Die Löwen schafften es nicht mehr, das Ruder noch herumzureißen und kassierten die vierte Pflichtspiel-Niederlage in Folge. Der letzte Auswärtssieg in der 2. Liga datiert vom 8. März 2009 (3:2 in Ingolstadt), sodass Sechzig mittlerweile genau 8 Monate ohne Auswärtssieg ist.
Wir warteten noch auf die in Gewahrsam genommenen Löwenfans und fuhren dann mit dem Taxi zurück zum Bahnhof, wo es gottseidank nicht so unzivilisiert zuging wie ein paar Monate zuvor in Rostock. Leider gab es beim Umsteigen in Leipzig Probleme, da unser ICE wegen einer Bombendrohung „im Berliner Raum“ über 90 Minuten Verspätung hatte, sodass wir erst um kurz vor 1 Uhr nachts (statt fahrplangemäß um 23:50 Uhr) wieder nach München heimkamen. Leider auch mit leeren Händen, wie immer mussten wir die drei Punkte auswärts zurücklassen.