0:1 in Cottbus – 20 Stunden unterwegs und mit leeren Händen heimgekommen
Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer bescherte uns der Spielplan ein Punktspiel im hintersten Winkel der ehemaligen DDR, nämlich in Cottbus in der Niederlausitz. In den gemeinsamen Jahren von TSV 1860 und Energie Cottbus in der Bundesliga und bei den beiden Auswärtsspielen in den Jahren zwischen 2004 und 2006 war ich nie in der Lausitz dabei. So war das Spiel am 8. November 2009 mein allererstes Spiel im Stadion der Freundschaft in Cottbus.
Mit rund 50 Löwenfans fuhr ich im Linienzug (für 65,- Euro pro Person) sehr früh an diesem Sonntag los. Um kurz nach halb 5 Uhr morgens war Treffpunkt im Münchner Hauptbahnhof, um 5:16 Uhr ging der ICE nach Leipzig. Dort und in Ruhland mussten wir in Regionalzüge umsteigen. Unser Mitfahrer Markus Drees, der ehemalige 1. Vorsitzende der „Freunde des Sechzgerstadions e.V.“ wies uns als ehemals in Dresden ausgebildeter Doktor der Chemie den Weg durch die Bahnhöfe des Ostens, die wir alle ja gar nicht so gut kennen, da es immer weniger Ostklubs in den Profiligen gibt.
In Cottbus selbst waren nur rund 200 Löwenfans vor Ort dabei, darunter jedoch so illustre Namen wie Gregor Stöckl (links im Bild), der ehemalige „Head of International“ bei der ehemaligen Münchner Plattenfirma „Virgin Schallplatten“ (in seine Zeit in der Herzogstraße in Schwabing fielen u.a. die großen Charterfolge von Placebo und Reamonn), der jetzt in Berlin lebt und Leslaw Popik aus Bielsko Biala bei Katowice in Polen, unser polnischer Löwenfan (im Bild oben).
Die Löwen spielten im sehr schönen „Stadion der Freundschaft“ sehr engagiert, gerieten jedoch durch ein dummes Foul des tunesischen Nationalverteidigers Radhouène Felhi und den anschließenden Elfmeter für Cottbus 0:1 in Rückstand. 1860-Trainer Ewald Lienen hatte wieder einmal experimentiert und den Kapitän der U23, Dominik Stahl, auf der 6er-Position aufgestellt. Stahl machte seine Sache sehr gut und kommt hoffentlich zu weiteren Einsätzen in der 1. Mannschaft der Münchner Löwen.
Die Löwen schafften es nicht mehr, das Ruder noch herumzureißen und kassierten die vierte Pflichtspiel-Niederlage in Folge. Der letzte Auswärtssieg in der 2. Liga datiert vom 8. März 2009 (3:2 in Ingolstadt), sodass Sechzig mittlerweile genau 8 Monate ohne Auswärtssieg ist.
Nach dem Spiel kam es noch zu unschönen Szenen, als Ordner einen einzigen Löwenfan, der sich auf den Zaun gestellt hatte, herunterzerren wollten und so die Eskalation auslösten. Brutale Schlägertypen unter den Cottbus-Ordnern verteilten wahllos Faustschläge, jagten Fans hinter dem Gästeblock und warfen sie zu Boden.
Wir warteten noch auf die in Gewahrsam genommenen Löwenfans und fuhren dann mit dem Taxi zurück zum Bahnhof, wo es gottseidank nicht so unzivilisiert zuging wie ein paar Monate zuvor in Rostock. Leider gab es beim Umsteigen in Leipzig Probleme, da unser ICE wegen einer Bombendrohung „im Berliner Raum“ über 90 Minuten Verspätung hatte, sodass wir erst um kurz vor 1 Uhr nachts (statt fahrplangemäß um 23:50 Uhr) wieder nach München heimkamen. Leider auch mit leeren Händen, wie immer mussten wir die drei Punkte auswärts zurücklassen.
Dieser Beitrag wurde vor am Montag, 9. November 2009 um 22:01 Uhr veröffentlicht und unter Allgemeines, Auswärts gespeichert. Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrer Website hierher setzen.

