Berlin ist immer eine Reise wert – auch für einen Punkt aus Köpenick
Montag, 21. Dezember 2009Unter den Löwenfans gibt es eine Wertigkeitstabelle der einzelnen Auswärtsspiele. Union Berlin ist in dieser Spielzeit ganz klarer Spitzenreiter, was die Attraktivität der Auswärtsspiele der Löwen angeht. Ein sogenanntes „Pflichtspiel“. Denn gegen Union Berlin hatten die Löwen noch kein einziges Punktspiel und nur ganz wenige Löwenfans waren mal bei einem anderen Spiel im Stadion „Alte Försterei“ vor Ort dabei.
Eigentlich hatte ich mir immer gedacht, dass ich das gesamte Wochenende in Berlin verbringen würde, wenn wir mit Sechzig endich bei Union Berlin spielen, aber der Spielplan der Regionalliga machte mir einen Strich durch die Rechnung und so schloss ich mich der Reisegruppe der „Blue Pirates Murnau“ an, die mit dem ICE zunächst zum Spiel der 1860-Amateure in Kassel am Samstag fahren wollte. Die witterungsbedingte Absage dieses Spiels brachte unsere Reiseplanung wiederum ins Wanken, denn wir hatten mit unserem Gruppen-Fahrschein “Zugbindung” und mussten so eigentlich fünfeinhalb Stunden in Kassel auf den nächsten Zug warten. Letztlich stiegen wir in Göttingen aus und enterten einen ICE, für den wir eigentlich kein Ticket, aber gezahlt hatten.
Nach meiner Ankunft am neuen Berliner Hauptbahnhof fuhr ich mit dem Münchner Filmemacher Hubert Pöllmann sofort zum Brandenburger Tor und zum Reichstag. Bei klirrender Kälte reihten wir uns in die Warteschlage zur Reichstagskuppel ein. Drin war es ebenso saukalt wie draußen, da es sich nicht um eine hermetisch abgedichtete Halbkugel handelt.
Anschließend trafen wir uns noch mit PRO1860-Vorstand Andreas Petri und seinen Freunden zum Abendessen bei einem Inder in Charlottenburg und fuhren gegen Mitternacht in unser gebuchtes Hotel neben dem Wilmersdorfer Friedhof.
Am Sonntag traf ich mich um 10 Uhr mit Stefan Schneider und Birgit Zacher am Bahnhof Zoo. Wegen der Kälte entschieden wir uns, mit der Buslinie 100 durch die Innenstadt zu fahren, weil man so auch die wichtigsten Sehenswürdigekiten vor die Linse bekommt. Ich wollte unbedingt zur Weltzeituhr am Alexanderplatz, die ich 1982 als 12-Jähriger zum ersten Mal gesehen hatte. Für mich ist die Weltzeituhr, gerade neben der Silhouette des Fernsehturmes mit der Discokugel oben drauf immer noch eine sehr futuristische Attraktion.
Danch gab es einen kleinen Currywurst-Wettstreit zwischen Stefan Schneider und Birgit Zacher. Während Schneider, der zuvor noch nie im Osten Berlins war, am Alexanderplatz händeringend einen Currywurst-Imbiss suchte und fand, kannte Birgit Zacher einen guten Laden im Bahnhof Friedrichstraße. Besonders die pikante Soße gab den Ausschlag dafür, dass Birgit Zacher den Wettstreit gewann.
Dann gings mit der S-Bahn hinaus nach Köpenick, wo man nach wenigen hundert Metern das Stadion „Alte Försterei“ erreicht. Eine sehr stimmungsvolle Kulisse erwartete uns. Zwar waren nur gut 15.000 Zuschauer (darunter 1.700 Löwenfans) da, doch die machten einen Lärm, als ginge es um den Europapokaltitel. Auf schnee-bedecktem Rasen bestimmten die Löwen in der 1. Halbzeit trotz 0:1-Rückstand das Spiel und kamen noch vor der Pause durch Charilaos Pappas zum verdienten 1:1-Ausgleich.
In der 2. Halbzeit ließen sich die Sechzger zwar ein bisserl in die Defensive drängen, doch hatten wir in der Schlussminute auch das Glück auf unserer Seite, als der Schuss eines Union-Spielers nur an den Innenpfosten prallte. Nach dem Abpfiff gab es noch ein kleines Gerangel, als einige Union-Spieler auf Sascha Rösler losgingen, und Miki Stevic ihn schützen wollte. Dies tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Alle freuten sich, die 90 Minuten in der Eiseskälte durchgestanden zu haben. Unser Rückfahrt-ICE fuhr gegen 17 Uhr am Berliner Hauptbahnhof nach München los.
Jetzt gilt es, erstmal die kurze Winterpause und die weihnachtliche Ruhe zu genießen sowie zu regenerieren, bevor es schon am 17. Januar 2010 in Koblenz wieder weitergeht.


0:3, 0:3 und 0:1, so lautete die Bilanz der ersten drei Spiele des TSV 1860 München gegen den FC Augsburg in der Allianz Arena seit 2006. Drei Spiele, drei bittere Niederlagen, kein einziges Tor geschossen und zu allem Überfluss waren es immer auch Ex-Löwen (Daniel Baier) oder nicht von 1860 geholte Spieler (Michael Thurk), die tatkräftig dazu beitrugen, dass die Löwen von Pleite zu Pleite schlichen und der FC Augsburg unser Angstgegner wurde.
Das Spiel profitierte vom frühen Treffer Ludwigs, es ging rauf und runter und die Gäste zeigten (wie Spielberichte übereinstimmend mitteilen), die “reifere Spielanlage“. Augsburg war jederzeit gefährlich, allen voran Michael Thurk, der uns in einem der drei Spiele schon mal 2 Gegentore einschenkte. Doch 1860-Goalie Gabor Kiraly wuchs an diesem Nachmittag über sich hinaus und hielt alles, was zu halten war. Auch die Unhaltbaren.
1860-Stadionsprecher Stefan Schneider kam anschließend im blauen Nikolaus-Kostüm mit der Mannschaft vor die Nordkurve. Gemeinsam mit den Fans wurde der alte Klassiker „So gehn die Löwen, die Löwen, die gehn so…“ intoniert.  Alle waren happy, bis auf die rund 10.000 FCA-Anhänger, die sich ganz schnell vom Acker machten.
Zweiter Auswärtssieg in Folge, 7 Punkte aus den letzten drei Spielen, bei den Löwen findet schon in den Wochen vor Weihnachten vorzeitig die Bescherung statt. Der erste Sieg in Oberhausen, auch Fritz Fehling konnte sich vor Ort nicht an einen Sieg in der Ruhrpottstadt erinnern und die Statistik gibt ebenfalls keinen Sieg der Löwen bei RWO her.
Leider gab es direkt nach dem Anpfiff eine blaue Rauchbombe im Löwenblock. Sehr ärgerlich nicht nur, weil jetzt alle Fanutensilien außer Schals für Löwenfans in Oberhausen die nächsten drei Jahre verboten sein werden. Ärgerlich auch, weil der TSV 1860 erneut eine Geldstrafe zu erwarten hat, die nicht diejenigen bezahlen, die sie „verantworten“. Doch zurück zum Spiel:
Die Mannschaft belohnt sich nun endlich selbst für diszipliniertes Auftreten, auch wenn sich immer noch nicht alle Spieler daran halten. So vergaß Luftikus Mate Ghvinanidze diesmal seine Fußballschuhe mitzunehmen und wurde daraufhin von Ewald Lienen suspendiert. Den Wahrheitsgehalt dieser unglaublichen Geschichte bestätigte der Löwen-Coach auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.