1:0 in Duisburg – das erste Tor von Djordje Rakic
Donnerstag, 18. März 2010
An einem Montagabend in Duisburg, die Deutsche Fußball-Liga DFL bescherte uns mal wieder einen sehr fanunfreundlichen Termin. Auch als Fanbeauftragter komme ich durch die Ansetzung an einem Montagabend natürlich in Planungsnot. Denn die Anzahl der Löwenfans, mit denen ich gemeinsam anreisen könnte, verringert sich naturgemäß dadurch, dass die meisten Menschen am nächsten Tag um 7 Uhr aufstehen müssen, um in die Arbeit zu gehen.
Letztlich habe ich mir das Lidl-Ticket eines Löwenfans besorgt, der es sich kaufte, um bis zum 31. März kostengünstig zu einem der beiden Auswärtsspiele in Duisburg oder Kaiserslautern mit dem Zug zu fahren, aber durch die Verlegung der beiden Spiele auf Montagabend die Segel streichen musste. Wenigstens blieb er auf seinen 66,- Euro nicht sitzen, sondern bekam sie von meinem Arbeitgeber überwiesen, um mich mit einem Fahrtschein auszustatten.
Unter den 300 Löwenfans im Gästeblock der MSV-Arena waren wie so oft auch Marco Iployi, Roman Süßmuth und der unverwüstliche Christian Schindlbeck aus Landshut (Foto), mit dem ich anfangs der 90er Jahre oft gemeinsam zu Auswärtsspielen fuhr. Über das Spiel werden die meisten der daheimgebliebenen Löwenfans mehr sagen können als ich, weil ich mich während der 1. Halbzeit lange mit Lothar Langer vom Fanprojekt München und Maik Lange von der Cosa Nostra unterhielt.
In der 2. Halbzeit entwickelten die Löwen aber mehr Druck nach vorne und kamen in der 81. Minute durch den serbischen Leihspieler aus Salzburg, Djordje Rakic, zum Tor des Tages. Für den 24-jährigen Serben war es sein erster Treffer in einem Spiel für die Löwen, ein besonderer Moment für ihn. Und für uns.
Ich war von dem langen Tag und der doch vorherrschenden Kälte im Stadion so platt, dass ich, statt mit Löwenfans in der Innenstadt noch ein Bierchen trinken zu gehen, mich alleine auf mein Hotelzimmer im 13. Stock der Sportschule Wedau (rund 700 Meter von der MSV-Arena entfernt) begab, um dort bei einem Feierabendbierchen allein vor der Glotze abzuschalten.
Für den Dienstagmorgen hatte mir die Buchhaltung des TSV 1860 noch ein Frühstück in der Sportschule Wedau finanziert. Als ich um 8:35 Uhr den Frühstücksssaal betrat, war ich aber vollkommen einsam in einem Raum für über 200 Menschen. Für mich ganz alleine war der einzige Tisch gedeckt, so etwas erlebt man auch nicht jeden Tag.
Anschließend ging ich einen Kilometer zu Fuß rüber zum S-Bahnhof Duisburg-Schlenk, wo meine Heimfahrt begann. Am Duisburger Hauptbahnhof traf ich noch Löwenfan Artur Borst aus Tübingen, der ein komplettes Fußballwochenende im Ruhrpott verbrachte und am Sonntag bei einem Heimspiel von Schwarz-Weiß Essen den 1860-Meisterspieler Hennes Küppers getroffen hatte. Gegen 15:30 Uhr war ich wieder zurück im Löwenbomberstadion in Untergiesing.


Das 2:1 gegen den FC St. Pauli war der Höhepunkt der Saison, das geilste Spiel, das die Sechzger seit langem zeigten. Und das auch noch in den wunderschönen grün-gold-gestreiften Jubiläums-Trikots aus Anlass der 150-Jahr-Feier des TSV München von 1860 e.V. Im Bild Torben Hoffmann mit dem Trikot nach dem Spiel. Für Fans gibt es das Dress ohne Sponsor-Logo zu kaufen.
Als Stefan Aigner trotz Unterzahl per Kopf in der 23. Minute das 1:0 erzielte, merkte man, dass die Löwen an diesem Tag ausnahmsweise doch mal wieder bissig sind. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch den St. Paulianer Marius Ebbers ließ zwar kurz Befürchtungen aufkommen, dass St. Pauli die Überzahl jetzt zu einem ungefährdeten Sieg nutzen würde, doch die Hamburger hatten am Sonntag die Rechnung ohne den Kampfgeist der Löwen gemacht.
Irgendwie schafften die Löwen dann, den Sieg über die Zeit zu retten, bei zehn gegen elf Mann normalerweise ein schwieriges Unterfangen, aber irgendwie klappte an diesem Tag beim TSV 1860 alles und der FC St. Pauli vergab beste Chancen, Gabor Kiraly sei Dank.
27.700 Zuschauer waren beim besten Spiel der Saison dabei. Leider konnten es nicht mehr sein, denn 1860 durfte aufgrund eines DFB-Urteils wegen der Vorfälle gegen Ahlen seit zwei Wochen keine Tickets mehr für dieses Spiel verkaufen, die Stadionkassen mussten zudem am Spieltag ebenfalls geschlossen bleiben.
Ich hatte an diesem Sonntag nette Freunde im Stadion dabei und stand mit ihnen überwiegend im Block 132. Wir hatten angesichts der Leistung der Löwen und der stimmungsvollen Atmosphäre großen Spaß. Der Fanraum war ebenfalls so voll wie selten, der Gegner zog einfach doch viele Leute an, die zuletzt (wie bei den 16.200 Zuschauern gegen Aachen) zuhause geblieben waren.