U23: Ein 6:1-Sieg gegen Reutlingen zum Saisonabschluss
Dienstag, 1. Juni 2010
Traditionell (wie in den letzten drei Jahren) wurde das letzte Saisonheimspiel der U23 dann doch noch zu einem Spiel erklärt, für das die Werbetrommel besonders gerührt wurde. Inzwischen war die Bezeichnung, die jedes Jahr um ein X erweitert wurde, bei „XXXX-Tausend“ angelangt. Mit dem SSV Reutlingen kam ein Gegner an die Grünwalder Straße, der während der laufenden Saison Insolvenz anmelden musste und nun hofft, nach absolviertem Insolvenzplan nächstes Jahr in der Oberliga Baden-Württemberg antreten zu können.
Auf jeden Fall verabschiedeten sich die 300 bis 400 mitgereisten Fans der Reutlinger (unter ihnen ein paar VfB-Stuttgart-Ultras vom Commando Cannstatt) sehr vorbildlich. Großen Beifall fand ein Spruchband, dass sie herzeigten, um Solidarität mit allen Löwenfans, die um ihr geliebtes Sechzgerstadion kämpfen, zu üben: „SECHZIG GEHÖRT INS GRÜNWALDER!“
In der Stehhalle gab es diesmal auch ein Spektakel der besonderen Art. Die Löwenfans hatten die ersten fünf Minuten die Tribüne komplett leer gelassen und versammelten sich vor den Eingängen, während auf den Rängen auf einem Spruchband zu lesen war: „OHNE SECHZGER STIRBT DER TSV“. Dann wurden inenrhalb einer einzigen Minute alle Plätze eingenommen, was auf einem YouTube-Video gut zu sehen war.
Die Münchner Polizei beschwerte sich bei mir eine Stunde vor dem Spiel, warum sie dies nicht erfahren hatte und ich frage mich bis heute, was sie das überhaupt angeht. Eine Blocksperre, die auf Initiative der Fans geschieht, ist Sache der Fans und das wird sie auch in Zukunft bleiben.
Das Spiel war dann eine Demonstration der fußballerischen Klasse, die in den jungen Löwen steckt: Zwar ging Reutlingen kurz nach dem Pro-Sechzger-Spruchband der SSV-Fans mit 1:0 in Führung, doch konnte Sechzig schon acht Minuten später ausgleichen. Noch vor der Halbzeitpause gelangen den Löwen die Tore Nummer 2 durch Dimitry Imbongo-Boele und 3 durch Mathias Fetsch, sodass es mit 3:1 in die Kabinen ging. Nach dem 2:1 zeigte Imbongo mit einem wunderschönen Salto, dass nicht nur abgehalfterte polnisch-stämmige Nationalspieler des FC Bayern zu leichtathletischen Darbietungen in der Lage sind.
In der 2. Halbzeit erhöhten Mathias Fetsch (mit zwei Toren) und erneut Dimitry Imbongo-Boele auf 6:1. So stand es nach 65 Minuten und so hieß es auch nach Spielende. An solch ein triumphales Ergebnis konnte man sich bei den Löwen lange nicht mehr erinnern. Spontan fiel vielen Löwenfans nur das 6:1 gegen Fürth aus dem Jahr 1984 ein.
Leider gab es nach dem Spiel noch Ärger mit der Polizei, die meinte, unbedingt eine unangemeldete Blockfahne und zwei Spruchbänder der Löwenfans einkassieren zu müssen. Auf dem einen waren brennende Polizeiautos und eine rote Allianz Arena zu sehen. Auf dem zweiten Spruchband hieß es „GO TO PARADISE“ und das Sechzgerstadion war abgebildet.
Diese Choreografie war vom TSV 1860 in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der Münchner Polizei für das Spiel gegen Union Berlin in der Arena verboten worden. Die Löwenfans sind jedoch unbezähmbar und schmuggelten es (wohl nicht am Spieltag) in die Stehhalle.
Ein wirklicher Schaden ist niemandem entstanden. Wenn die Cops sich beleidigt fühlen, oder hinter dem Gemälde der Löwenfans einen wirklichen Aufruf zur Brandstiftung entdecken, dann kann ich nur sagen: Haben wir keine dringlicheren Probleme in Deutschland??? Schade, dass dieser grandiose Fußballnachmittag mit dem Ärger wegen der Konfiszierung von Fahnen-Material enden musste.

