3:1-Sieg bei den Kickers – Basisdemokratie in Stuttgart
Samstag, 18. September 2010Nach der bitteren Heimniederlage gegen Darmstadt schien unser Traum vom Aufstieg in die 3. Liga schon völlig verblasst, nun aber kam die Wende: Mit einem 3:1-Sieg bei den Stuttgarter Kickers wahrten die 1860-Amateure ihre Chancen auf Platz 1 der Regionalliga Süd. Durch die Tore von Kevin Volland und Markus Pazurek kletterten die Löwen auf Platz 2 und haben nun nur noch 4 Punkte Rückstand auf Hessen Kassel, das überraschend in Memmingen 2:4 verlor.
Ich fuhr zum ersten Mal mit dem Zug zu den Stuttgarter Kickers, nachdem ich 1993 und 2008 jeweils mit dem Auto anreiste. Vom Stuttgarter Hauptbahnhof gehts mit der sogenannten „Stadtbahn“ (eine Trambahn, die auch unterirdisch fährt) in 15 Minuten zur Haltestelle „Waldau“ im Stadtteil Degerloch, wo der traditionelle Kickers-Platz (heutzutage heißt er nach einem türkischen Sponsor „GAZI-Stadion“) liegt. Rund 70 Löwenfans hatten sich im Gästeblock eingefunden.
Sie erlebten die frühe Führung durch Markus Pazurek (5. Minute) mit und ebenso den von Björn Bussmann gehaltenen Elfmeter in der 50. Minute. Als nach 71 Minuten Kevin Volland auf 2:0 erhöhte, dachten wir schon, das Spiel sei entschieden, doch im Gegenzug gelang den Kickers der Anschlusstreffer. Kevin Volland war an diesem Tag aber der überragende Spieler und stellte den alten Zwei-Tore-Abstand wieder her, als er in der 81. Minute zum 3:1-Endstand traf.
Christopher Schindler kam nach dem Spiel auf den Zaun, um mit den Löwenfans zu feiern, zusätzlich wollten die Anhänger per Zuruf auch Elfmeter-Held Björn Bussmann auf dem Zaun sehen. Basisdemokratie bei den kleinen Löwen. Basisdemokratie zu bestaunen gabs nach dem Spiel auch am Stuttgarter Hauptbahnhof, wo es zwar nicht die angekündigte Demonstration gegen den Abriss des Stuttgarter Hauptbahnhofs gab. Aber an der Nordseite gab es eine Mahnwache und an einem Bauzaun konnte man viele Protestbriefe und Zettel protestierender Bürger, die sich gegen den überteuerten Bau von „Stuttgart 21“ zur Wehr setzen, sehen.
Wenns nicht so teuer wäre, wärs eine gute Sache, denn wozu braucht Stuttgart einen Kopfbahnhof? Für uns liegt Stuttgart außer bei einem Auswärtsspiel bei den Kickers immer nur auf dem Weg in andere Städte, und durch den Kopfbahnhof ist die Strecke über Stuttgart wesentlich langsamer als die Strecke über Nürnberg.



Ich unterhielt mich nach dem Spiel noch lange mit Hans Vonavka, Ralph Drechsel und Andreas Petri und brachte mich so in Sachen Vereinspolitik auf den neuesten Stand. Leider war es dann schon fast Mitternacht, als ich nach Untergiesing ins Domizil aufbrach. Um 5 Uhr morgens klingelte unerbittlich der Wecker, denn um 6:28 Uhr fuhr der Zug nach Duisburg los.
Ordner den Löwenfans nicht zuließen. Ein leidiges Thema. Während des Spiels unterhielt ich mich prächtig mit Andy Kump aus Linz, der seit geraumer Zeit im Ruhrpott lebt und gerne mal zu Spielen geht. Der Anhänger des alten SK VÖEST Linz (später umbenannt in FC Stahl Linz und FC Linz, jetzt FC Blau-Weiß Linz) kündigte sogar eine nächste Platte seiner Band SHY an. Die Löwen gingen durch Benny Lauth in Halbzeit 1 zwar 1:0 in Führung, doch schon im 1. Abschnitt war zu spüren, dass der MSV Duisburg wesentlich gefährlicher war. Zwei Tore durch Srdjan Baljak in Halbzeit 2 waren die logische Folge. Ich hatte mich psychisch schon vorher sogar auf ein Gegentor mehr eingestellt.
Nach dem Spiel ging der Zug unserer 5-köpfigen Reisegruppe (Altersschnitt: 47,0 Jahre, da war ich ausnahmsweise mal das Nesthäkchen…) schon um 16 Uhr, sodass wir gegen 21 Uhr abends wieder nach München zurückkehrten. Zwischendrin spielte ich mit einer Russin, die bei Puma in Herzogenaurach arbeitet, und ihrer 6-jährigen Tochter „Mensch ärgere Dich nicht“. Lange lagen wir alle drei gleich auf, doch selbst bei diesem Spiel wurde ich am Schluss nur Dritter. Ein Wochenende zum Abhaken.
Der Himmel über Giesing war an diesem Abend zum Anhimmeln, wie das Foto von Löwenfan Peter Urban zeigt.