2:1 gegen St. Pauli – das geilste Spiel der Saison
Montag, 8. März 2010Noch letzte Woche musste ich mich an dieser Stelle fragen, ob das 1:3 in Paderborn der Tiefpunkt der Saison war, heute gibts einen Ausschlag in die andere Richtung auf der nach oben offenen 1860-Emotions-Skala zu vermelden:
Das 2:1 gegen den FC St. Pauli war der Höhepunkt der Saison, das geilste Spiel, das die Sechzger seit langem zeigten. Und das auch noch in den wunderschönen grün-gold-gestreiften Jubiläums-Trikots aus Anlass der 150-Jahr-Feier des TSV München von 1860 e.V. Im Bild Torben Hoffmann mit dem Trikot nach dem Spiel. Für Fans gibt es das Dress ohne Sponsor-Logo zu kaufen.
Zwar war 1860 schon in der 8. Minute von Charilaos Pappas um einen Mann dezimiert, weil der Grieche völlig nachvollziehbar nach einem dummen Revanchefoul die Rote Karte sah. Doch danach rissen sich die verbliebenen zehn Löwen zusammen und rannten und kämpften wie um ihr Leben.
Als Stefan Aigner trotz Unterzahl per Kopf in der 23. Minute das 1:0 erzielte, merkte man, dass die Löwen an diesem Tag ausnahmsweise doch mal wieder bissig sind. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch den St. Paulianer Marius Ebbers ließ zwar kurz Befürchtungen aufkommen, dass St. Pauli die Überzahl jetzt zu einem ungefährdeten Sieg nutzen würde, doch die Hamburger hatten am Sonntag die Rechnung ohne den Kampfgeist der Löwen gemacht.
Ein paar Minuten nach dem Ausgleich tankte sich Jung-Löwe Aleksandar Ignjovski auf der linken Seite schön durch und seine Hereingabe verwandelte erneut Stefan Aigner zum 2:1-Führungstreffer. Das Ganze fand vor der Nordkurve statt. Der Jubel kannte keine Grenzen.
Irgendwie schafften die Löwen dann, den Sieg über die Zeit zu retten, bei zehn gegen elf Mann normalerweise ein schweiriges Unterfangen, aber irgendwie klappte an diesem Tag beim TSV 1860 alles und der FC St. Pauli vergab beste Chancen, Gabor Kiraly sei Dank.
27.700 Zuschauer waren beim besten Spiel der Saison dabei. Leider konnten es nicht mehr sein, denn 1860 durfte aufgrund eines DFB-Urteils wegen der Vorfälle gegen Ahlen seit zwei Wochen keine Tickets mehr für dieses Spiel verkaufen, die Stadionkassen mussten zudem am Spieltag ebenfalls geschlossen bleiben.
Da bei strahlendem Sonnenschein mindestens 5.000 bis 6.000 Leute ein Tagesticket gekauft hätten, fehlen bei einem Durchschnittspreis von 18 Euro pro Ticket rund 100.000 Euro in der Kasse der Löwen.
Ich hatte an diesem Sonntag nette Freunde im Stadion dabei und stand mit ihnen überwiegend im Block 132. Wir hatten angesichts der Leistung der Löwen und der stimmungsvollen Atmosphäre großen Spaß. Der Fanraum war ebenfalls so voll wie selten, der Gegner zog einfach doch viele Leute an, die zuletzt (wie bei den 16.200 Zuschauern gegen Aachen) zuhause geblieben waren.
Weiter gehts am kommenden Montag, 15. März um 20:15 Uhr in Duisburg. Ich muss jetzt schauen, wie ich hinkomme und ob ich nach dem Spiel in der Sportschule Wedau übernachten werde. Hoffentlich reißen sich die Spieler weiterhin am Riemen und schalten nicht wieder einen oder zwei Gänge zurück. Denn so wie man die Löwen am Sonntag kämpfen gesehen hat, so will man den TSV 1860 immer sehen.
Weiter so, Buam!


Ein völlig belangloses Auswärtsspiel zu einem Zeitpunkt, an dem die wenigsten Löwenfans Zeit und Lust haben, quer durch Deutschland anzureisen. Freitag, 18 Uhr in der Paragon-Arena in Paderborn. Es gibt weißgott spannendere Termine im Fußballjahr.
Bereits einmal hatten die Löwen in der neuen Paderborner Arena antreten „dürfen“ - und im August 2009 dort im Pokal 1:0 gewonnen, dank eines Tores von Radi Felhi. Doch wo war Felhi diesmal? Dass Mate Ghvinanidze verletzt ist, wusste man, aber dass neben Mathieu Béda diesmal zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Torben Hoffmann in der Innenverteidigung ran durfte, das war für alle Löwenfans dann doch eine große Überraschung. Den Fehler vor dem 1:0 für Paderborn machte dann zwar Béda, aber für die Fans um mich herum im Löwenblock war viel augenscheinlicher, wie langsam Torben Hoffmann übers Feld trabte, seine Zeit scheint endgültig abgelaufen zu sein.
Auch der von Miki Stevic so hochgelobte Antonio Rukavina, der als einziger Löwe Hoffnungen haben kann, bei der WM in Südafrika spielen zu dürfen, war am Freitagabend schlecht, sodass ein User des Löwenforums aus Markt Schwaben ätzte: „Ich fahr den Rukavina eigenhändig in sein scheiß Serbien zurück.Â
Erneut muss ich einen Mitschreiber aus dem Löwenforum zitieren, der sagte: „Holebas, Rukavina, Kaiser ohne Worte! Wie schlecht muss erst ein Felhi sein, damit es gerechtfertigt ist, ihn nicht aufzustellen? So hat man große Probleme in der Dritten Liga zu bestehen.“Nach dem 3:0 für Paderborn fiel irgendwann das Anschlusstor durch Stefan Aigner, ebenfalls einer der wenigen Löwen, dem Fans immer wieder Kampfgeist attestierten. Kurz vor dem Abpfiff holte sich Alexander Ludwig noch die 5. Gelbe Karte ab, sodass er nächsten Sonntag gegen seinen Ex-Club FC Sankt Pauli gesperrt ist. Zitat aus dem Löwenforum: „Den Ludwig würde ich nie mehr spielen lassen. Wer mit Absicht eine 5. gelbe Karte produziert um gegen seinen Lieblingsclub nicht spielen zu müssen, hat bei uns wirklich nichts verloren. War doch offensichtlich, dass diese Karte in der 90. Minute gewollt war.“
Ich holte mir nach dem Spiel noch kurz eine Portion Pommes am Bratwurststand und traf dabei Frank Peuker, einen Löwen-Spieler aus besseren Zeiten (1990-91). Nach seiner Karriere als Spieler beim TSV 1860 blieb er treuer Fan der Münchner Löwen und taucht hin und wieder bei Auswärtsspielen auf, obwohl er nebenbei auch den Bezirksligisten TSV Jetzendorf trainiert. Ich machte mich anschließend mit meinem Fahrer Andi Hilbig auf den Heimweg. Gegen 2 Uhr nachts kamen wir wieder in München-Giesing an. Zu zweit in einem Auto bin selten auswärts gefahren. Die Zahl 7081 ist übrigens eine “Pseudoprimzahl auf Basis 9″. Was immer das heißen mag.
Einen Tag nachdem das Urteil des DFB wegen der Vorfälle beim 1860-Spiel gegen RW Ahlen verkündet wurde (Beschränkung der Zuschauerzahlen gegen St. Pauli und FSV Frankfurt), mussten die Löwen in der Fröttmaninger Arena gegen Alemannia Aachen ran.
In der Löwen-Lounge traf ich die beiden 1860-Fanräte Florian Dallmeir und Sebastian Morsack, die sich im Zuge der investigativen Fanforschung auch mal die teureren Plätze in der Arena anschauen mussten. Dort gabs in der Halbzeit leckere Broccolicremesuppe, dazu ein alkoholfreies Weißbier.
Auf dem Weg zurück in die Nordkurve sah ich das 2:1 durch Sascha Rösler nur auf einem Bildschirm in der Löwen Lounge. Dafür konnte ich die artistische Vorarbeit von Benny Lauth nochmal in Zeitlupe sehen. Als ich wieder auf meinem Platz war, fiel leider das 2:2 für Aachen, auch dabei sah Gabor Kiraly nicht besonders glücklich aus. Gottseidank zirkelte Jose Holebas dann rund 10 Minuten vor dem Abpfiff einen Freistoß ins gegnerische Kreuzeck zum 3:2-Endstand.
Die Löwen gewinnen jetzt häufiger. Wenn die Niederlagen dazwischen nicht alles kaputt gemacht hätten, dann könnten wir jetzt noch um den Aufstieg mitspielen. Seitdem der Druck weg ist, macht es sogar richtig Spaß zuzuschauen bei diesen Löwen. Die Mannschaft hat sich jetzt gefunden. Benny Lauths Sturmpartner kann nur Sascha Rösler heißen, nachdem er innerhalb einer Woche drei Tore gegen seine Ex-Vereine Fürth und Aachen erzielte.