Nachdem der TSV 1860 bereits im Jahr 2007 in der 1. Runde des DFB-Pokals in Verl in Ostwestfalen gespielt und 3:0 gewonnen hatte (durch drei Tore von Antonio Di Salvo), bescherte uns die Losfee diesmal erneut den Regionalligisten aus der Nähe von Gütersloh als Gegner.Â
Die Verler Verantwortlichen hatten sich wieder mal ins Zeug gelegt und sogar kleine Spiel-Wimpel produziert, wenngleich es am Spieltag nur noch zwei der Dinger zu kaufen gab. Für Löwenfans zu wenig. Insgesamt rund 450 Sechzger-Anhänger hatten sich bei schönem Wetter im idyllischen Stadion an der Poststraße eingefunden. Der Ground ist vom Bahnhof aus in fünf Minuten Fußweg zu erreichen. Wieder was dazugelernt, denn beim letzten Mal wurde ich von einem Fanbus bis vor den Gästeblockeingang kutschiert. Das Spiel lief dann auch alles andere als erfreulich und anders als 2007 ab: In der neunten Minute gingen die Hausherren mit 1:0 in Führung. Sechzig spielte „viel zu pomadig“, wie einige Löwenfans in meiner Nähe schimpften. Mit dem deprimierenden 0:1-Rückstand ging es dann auch in die Pause.
In dieser gab es ein Halbzeitspiel auf dem Rasen, zu dem ich mit ein paar Löwenfans in den Mittelkreis gebeten wurde. Drei Löwenfans traten gegen drei Verler Fans an. Alle sechs mussten jeweils im Kampf gegen die Uhr zehnmal im Kreis um einen kleinen Pylon laufen, und sollten danach eine kurze Strecke geradeaus rennen. Zwei der drei Löwenfans haute es sauber auf die Schnauze. Sieht leichter aus, als man denkt. Wenigstens wurden die Löwenfans für ihren Einsatz und dafür, dass sie sich zum Deppen gemacht hatten, belohnt. Der zeitbeste Löwe bekam ein aktuelles 1860-Trikot geschenkt, der Zweite einen Ball und der Dritte ein Käppi.Â
Kurz nach der Halbzeit traf ich den neuen 1860-Geschäftsführer Robert Niemann im Gästeblock, er unterhielt sich mit einigen Löwenfans. Zu diesem Zeitpunkt musste man ein Ausscheiden der Löwen befürchten, die Sorge um die knapp 250.000 Euro Antrittsprämie für Runde 2 des Wettbewerbs und den Imageverlust sah man ihm deutlich an. Trainer Reiner Maurer hatte in der Zwischenzeit jedoch reagiert und für Aleks Ignjovski, der in der Vorbereitung kaum spielen konnte, den 17 Jahre alten offensivstarken Moritz Leitner (gebürtiger Münchner mit österreichischem
Pass) ins Spiel gebracht. In der 69. Minute war es dann soweit: Nach schöner Vorarbeit von Leitner verlängerte Stefan Aigner den Ball mit dem Kopf ins gegnerische Tor, der Ausgleich, endlich. Ein paar Minuten später war erneut Stefan Aigner zur Stelle. Er erhöhte wiederum per Kopf auf 2:1. Riesiger Jubel bei den Spielern und den mitgereisten Fans.
Alles in allem ein aufgrund der Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit verdienter Sieg. Es wäre so schön, wenn 1860 im DFB-Pokal endlich mal das Achtel- oder Viertelfinale überstehen würde und wenigstens ins Halbfinale einziehen könnte.
Ein Löwenfan scheint überzeugt zu sein, dass die Pokal-Trophäe im Jahr 2011 nach 1942 und 1964 endlich mal wieder an 1860 München verliehen wird. Er malte einen Doppelhalter, den ich kurz vor Ende des Spiels fotografierte. Â
Nach dem Spiel gings zu Fuß zurück zum ehemaligen Bahnhof in Verl, wo samstags ab 16:45 Uhr kein Bus mehr fährt. Wir bestellten uns ein Taxi und fuhren zu viert zurück nach Gütersloh. Dort blieb uns bis zur Abfahrt unseres Zuges noch rund eine Stunde Zeit. Zeit, um sich zu stärken und Proviant für die Rückfahrt (über Hannover) zu kaufen. Kurz nach 1 Uhr nachts kamen wir wieder in München an.