Archiv für die Kategorie „Auswärts“

4:0 gegen Aue – Halfar schießt ein Tor wie Weltstar Raúl

Montag, 15. August 2011

In den vergangenen Jahren tat sich Erzgebirge Aue in München bei 1860 immer sehr schwer, nur einmal erzielten die Westsachsen überhaupt ein Tor, einmal gabs ein 0:4, einmal sogar ein 0:5. Nun kamen die Veilchen erneut zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in die Allianz Arena: 1860 hatte eine Woche zuvor in Cottbus mit dem 5:0 den höchsten Löwen-Zweitligasieg gegen Aue aus dem Jahr 2007 eingestellt.

Rund 2.000 Auer Fans fanden sich im Gästeblock ein. Sie waren wie immer lauter als einige andere Fangruppen in Deutschland, warum das so ist, ist mir ein Rätsel. Die Löwen begannen wie die Feuerwehr. Nach zehn Minuten traf Daniel Halfar aus 12 Metern mit links bereits zum 1:0 ins lange Eck. Damit war den Löwen das gelungen, was letzte Saison in 180 Minuten gegen den FC Erzgebirge nicht gelang: Ein Tor!

Kurz vor der Halbzeit wurde es dann galaktisch: Bierofka passte in die Tiefe auf den gestarteten Halfar, der einer Auer an der Strafraumgrenze austanzte und anschließend den Ball aus zehn Metern über dem herausstürzenden Männel zum 2:0 ins Netz lupfte (45.). Kurz danach ertönte der Pausenpfiff. Ungläubige Löwenfans staunten: Genau so hatte der spanische Weltstar Raúl am Tag zuvor ein Tor für Schalke 04 gegen den 1. FC Köln erzielt.

In der 2. Halbzeit dauerte es bis zur 69. Minute, ehe Benny Lauth die endgültige Entscheidung herbeiführte. Nach einem Zuspiel von Rukavina nahm er den Ball zwei Meter vorm Strafraum an, legte ihn sich vor dem nur halbherzig angreifenden Lachheb vom rechten auf den linken Fuß und traf mit einem platzierten Flachschuss unten links zum 3:0 ins Netz.

Manuel Schäffler blieb es ein paar Minuten später vorbehalten, den Ball ins leere Tor zu schieben und damit zum Endstand von 4:0 im Tor zu versenken. Die Löwenfans lagen sich in den Armen. “So ein Tag so wunderschön wie heute.”

Bemerkenswert noch der Versprecher von Stadionsprecher Stefan Schneider in der 66. Minute, als er eine Auswechslung der Gäste durchsagen musste und statt “Aue” aus Versehen “Cottbus” sagte. Kein Wunder, bei so vielen hohen Siegen gegen Teams aus der ehemaligen DDR, einen Tag nach dem 50. Jahrestag des Baus der Mauer, da kann man schon mal durcheinander kommen.

“Entschuldigen” im wahrsten Sinne des Wortes möchte ich mich bei allen Besuchern des Fanraumes übrigens dafür, dass es diesmal nur warmes Bier gab. Der Grund: Wegen der Bauarbeiten am nebenliegenden FC Bayern-Museum wurde der Stromkasten, der auch die Verteilung für den 1860-Fanraum steuert, ersatzlos herausgerissen. Wie die Hausmeister der Allianz Arena mir versicherten, soll bis zum nächsten Spiel gegen Union Berlin am 28. August eine provisorische Stromversorgung bereitgestellt werden.

24 Stunden mit dem Zug unterwegs – für einen 5:0-Sieg in Cottbus

Montag, 8. August 2011

Der Spielplan und die Ansetzung an einem Samstag um 13 Uhr machten sie möglich: die längste Auswärtsfahrt mit dem Zug für ein einzelnes Spiel innerhalb Deutschlands, an die ich mich erinnern kann.

Das Problem bei Cottbus samstags um 13 Uhr ist nicht nur, dass man am selben Tag nicht hinkommt mit Zügen ab 5 Uhr morgens. Das zweite Problem war diesmal auch, dass am Abend vorher ein Heimspiel der U23 (0:1 gegen Eintracht Frankfurt II) im Sechzgerstadion stattfand.

Ich unterhielt mich nach dem Spiel noch lange in der Stadionwirtschaft mit meinen beiden Frankfurter Kollegen Marion “Donna” Becker und Andi “Pferd” Hornung. Um 0:30 Uhr fuhr ich mit dem Fahrrad den Giesinger Berg hinunter ins Löwenbomberstadion, meine Wohnung, mein Büro.

Um 1:30 Uhr musste ich schon wieder los, da um 2:05 Uhr der Regionalzug nach Augsburg ging. Nach einem weiteren Umstieg in Nürnberg kamen wir zu dritt nach 10 Uhr in Dresden an. Der Dresdener Hauptbahnhof erinnerte mich ein bisserl an Budapest-Keleti pu., in dem ich im Urlaub 20 Minuten Aufenthalt hatte.

Die sächsische Landschaft war zwar schön, aber nur Durchgangsgegend. Von Dresden aus benötigt der nächste Regionalzug noch einmal 2 (in Worten: zwei!) Stunden nach Cottbus. Um 12:40 Uhr kamen wir in der Niederlausitz an. Mit dem Taxi gings zum Stadion.

Ich hatte mich gerade im Gästeblock hingestellt, da brach plötzlich lauter Jubel los: Stefan Aigner hatte in der 2. Minute per Kopf zum 1:0 getroffen. Nachdem in Minute 7 Benny Lauth vom letzten Cottbusser Mann an einer klaren Torchance gehindert wurde, gab es Rot für die Heimmannschaft. Und so kam 1860 durch Kevin Volland, Daniel Halfar und ein Eigentor von Uwe Hünemeier zur beeindruckenden 4:0-Pausenführung.

Benny Lauth, der jedes Tor vorbereitet hatte und durch seine Aktion auch für die Rote Karte der Cottbusser sorgte, blieb es dann vorbehalten, seine bärenstarke Leistung mit dem Tor zum 5:0-Endstand zu krönen. Am Freitag zuvor erzielte er zwei Tore in Osnabrück, am Donnerstag feierte er seinen 30. Geburtstag und nun war er an jedem der fünf Tore in Cottbus beteiligt, das war eine Woche nach Maß für den Oberlöwen.

Die Löwenfans konnten den Endstand gar nicht fassen, vielleicht lag es aber auch an der Hitze im “Stadion der Freundschaft”, dass der Jubel der Löwenfans nicht ganz so orgiastisch ausfiel wie das Ergebnis es erwarten ließe.

Ich ging bei gefühlten 40 Grad Celsius in der prallen Nachmittagssonne den Kilometer zurück zum Bahnhof, wo wir Zeit hatten, uns noch ein leckeres Asia-Menü zu gönnen. Auch ein zweisprachiges Straßenschild konnte ich noch fotografieren. Um 17:03 Uhr begann das Unternehmen Rückfahrt, erneut fuhr der Zug zwei Stunden geradeaus durch die Brandenburger und sächsische Steppe, diesmal nach Leipzig. Dort fuhr kurz nach 20 Uhr der letzte ICE des Tages nach München los, welcher um 1:12 Uhr heimatlichen Boden erreichte.

Als ich nach genau 24 Stunden um 1:30 Uhr wieder daheim ankam, war ich sehr müde, aber glücklich, den höchsten Zweitligaauswärtssieg aller Zeiten miterlebt zu haben.

2:1 gegen Karlsruhe – Der Investor bringt der Mannschaft Glück

Montag, 25. Juli 2011

Zum zweiten Mal seit dem 4:0 gegen Cottbus im April 2011 saß Hassan Ismaik, der jordanische Investor des TSV 1860 München, auf den Tribünen der Allianz Arena  – und zum zweiten Mal gabs einen Sieg.

Zur Überraschung vieler waren die Tribünen der Fröttmaninger WM-Arena gut gefüllt, als die Löwen am Samstag, 23. Juli 2011 zu bester Bundesliga-Zeit (Anpfiff 15:30 Uhr) gegen den Karlsruher SC die Saison auch in München eröffneten.

26.600 Zuschauer wurden offiziell durchgesagt, allerdings befanden sich darunter wohl auch die 5.000 Freikarten an Schüler, die vom Investor ausgelobt wurden. Zudem waren wohl zwischen 2.000 und 3.000 KSC-Fans anwesend. Diese beeindruckten übrigens zum Einen durch eine nette Choreo mit blauen und weißen Müllsäcken in Herzform, zum Anderen traten aber einige von ihnen nach Spielschluss die Werbebanden weg, was ja nicht so schön ist.

Die Löwen gingen nach 35 Minuten durch Christopher Schindler in Führung. Nach einer Ecke kam der Innenverteidiger am linken Pfosten durch einen Abpraller an den Ball und drosch ihn mit rechts unter die Latte. Leider fiel der Ausgleich fast im Gegenzug, als Dominik Stahl einen Karlsruher Spieler im Strafraum legte und Schiedsrichter Babak Rafati auf Strafstoß entschied, welchen Alexander Iashvili eiskalt verwandelte.

In Halbzeit 2 gelang Stefan Aigner, der für Daniel Bierofka von Beginn an ran durfte, der 2:1-Treffer: Nach Eckball vom Daniel Halfar verlängerte Kai Bülow das Leder per Kopf zu Stefan Aigner, welcher am linken Pfosten unbedrängt einköpfen konnte. Die Löwen-Abwehr konnte den Sieg schließlich über die Zeit retten.

In der Nordkurve der Löwenfans gabs derweil eine interessante Änderung: Die Cosa Nostra, die jahrelang für die Stimmung und die Choreografien bei 1860 verantwortlich zeichnete, hatte sich, wie lange angekündigt, mit einer öffentlichen Erklärung aus dem aktiven Fangeschehen zurückgezogen und Sitzplatz-Einzeltickets im Mittelrang erworben.

Die alleinige “Stimmungs-Hoheit” wurde den “Giasinga Buam” übertragen, die in den letzten beiden Jahren schon an der Seite der CN-Leute in der Nordkurve und auswärts anfeuerten. Beim ersten Mal fielen die Buam “nur” durch ein angemeldetes Spruchband auf, auf dem zu lesen stand: “Wer sich in Dinge einmischt, die einen nichts angehen, wird Dinge hören, die einem nicht gefallen.”

Ich hatte in der Arena ausnahmsweise mal wieder einen geruhsamen Nachmittag. Nach dem Spiel schaute IN MÜNCHEN-Kolumnist Michael Sailer, ein Punk der ersten Stunde in München, bei mir im Fanraum vorbei. Er spielte früher sogar bei den “Marionetz”, deren Hit “Heya TSV” jedem Löwenfan bekannt sein dürfte.


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