Ein Montagsspiel rund 600 Kilometer weit von München entfernt, im Vorverkauf wurden nur gut 300 Tickets für den Löwenfanblock verkauft, da brauchts keine zwei Fanbeauftragte vor Ort. Nachdem ich als einziger Fanbetreuer in Verl war, blieb ich diesmal ausnahmsweise zuhause. Der Kraiburger feierte seinen 32. Geburtstag in der Kastanienklause in Giesing und hatte mich eingeladen. In lauschiger Atmosphäre konnten rund 25 Löwenfans in einem Biergarten nicht weit von der Heimat der Löwen entfernt das Spiel auf einem normalen Fernsehgerät verfolgen.Â
Daniel Bierofka feierte nach eineinhalb Jahren Verletzungspause sein Zweitliga-Comeback und trat auch gleich als Kapitän zur Platzwahl an. Nach elf Minuten fiel das 1:0 für Bochum, doch Djrordje Rakic glich nach 23 Minuten aus. Antonio Rukavina hatte schön geflankt, Rakic stand rund 7 Meter vor dem Tor völlig alleine und netzte mit dem rechten Fuß ein. Die Löwen bestimmten das Spiel in
der 1. Halbzeit und hielten den Topfavoriten der Liga überraschend gut in Schach. Reiner Maurer veränderte die Aufstellung im Vergleich zum Pokalspiel in Verl auf zwei Positionen: Für Savio Nsereko kam Bierofka von Beginn an zum Einsatz und für Florin Lovin feierte der 17-Jährige Moritz Leitner sein Zweiligadebüt. Eigentlich war er heuer nur für die A-Jugend vorgesehen.
Leider gab es noch vor der Halbzeit und kurz danach den Doppelschlag des Nordkoreaners Chong Tese, der als Neuzugang schon so einen hohen Stellenwert bei den VfL-Fans hat, dass sie ihm ein eigenes Spruchband („Tese, unser Held“) widmeten. Bei der WM in Südafrika war er nur aufgefallen, weil er bei der Hymne seines Heimatlandes weinte. In der Halbzeit gabs ein
SKY-Interview von Michael Leopold mit Robert Niemann, dem neuen Geschäftsführer der TSV München von 1860 GmbH & Co KGaA. Er teilte mit, dass es allen Verantwortlichen am liebsten wäre, Stefan Aigner nicht verkaufen zu müssen. Allerdings muss Sechzig noch mindestens 2 Millionen Euro an Transfererlösen erzielen, um keinen Punktabzug wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen zu bekommen.
Im Spiel gelang 1860 zwar der Anschlusstreffer zum 2:3 durch ein Tor von Benny Lauth, doch leider blieben weitere Angriffsbemühungen erfolglos, Savio Nsereko scheiterte mit einem Volleyschuss und verpasste somit das mögliche 3:3. Es wäre verdient gewesen. Fazit: Auch wenn die Löwen immer wieder in der Abwehr unerklärliche Fehler machten, so spielten sie dennoch schön nach vorne. Und man darf nicht vergessen, dass die Löwen bei DEM Topfavoriten der Liga antreten mussten und einem Punktgewinn nahe waren. Wie schrieb die TZ am Tag danach so schön: “Ein Trost für kommenden Sonntag: Osnabrück kommt ohne Nordkoreaner in die Allianz Arena…”Â
Ich saß mit dem Geburtstagskind noch bis nach Mitternacht zusammen. Stefan erinnerte sich daran, dass die Löwen zuletzt beim Heimspiel gegen Leeds in der Champions League-Qualifikation anno 2000 an seinem Geburtstag spielten. Der 23. August scheint kein gutes Omen für den TSV 1860 zu sein…. Für mich wars ein entspannender Abend in München. Wenn ich vor Ort dabei gewesen wäre, hätte ich wesentlich weniger vom Spiel gesehen und wäre mit dem Zug frühestens um 9 Uhr morgens wieder in München gewesen. Auf dem Heimweg nach Untergiesing fuhr ich mit dem Radl noch am Puerto Giesing vorbei, wo die 96 Fensterscheiben in unterschiedlichen Farbkombinationen leuchten. „All Colours Are Beautiful“ nennt sich dieses Kunstprojekt des Chaos Computer Clubs.