Archiv für die Kategorie „Dahoam“

0:6 in Worms – aber Bürstadt war eine Reise wert

Mittwoch, 20. April 2011

Am Dienstag, 19. April 2011, auf den Tag genau 27 Jahre nach dem legendären 6:1-Sieg der ersten Mannschaft des TSV 1860 München gegen Fürth, traten die Amateure der Löwen in der Regionalliga Süd an einem Ort an, in dem schon seit den späten 70er-Jahren keine 1860-Truppe mehr ihre Visitenkarte hinterlassen hatte: in Worms.

Wir fuhren morgens um halb elf zu sechst mit dem Auto in München-Untergiesing los und erreichten die südhessisch-pfälzische Tiefebene am Rhein gegen 15:30 Uhr. Zunächst schauten wir beim Atomkraftwerk in Biblis vorbei. Dann stand das Stadion in Bürstadt auf unserem Zettel.

In diesem kleinen Städtchen (15.000 Einwohner) mussten die Löwen am letzten Spieltag der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Ende Juni 1984 antreten – und gingen mit 0:4 unter. Weder Lothar Langer vom Fanprojekt noch ich waren seinerzeit vor Ort, trotzdem spürten wir den morbiden Reiz dieses alten Stadions und folgten seinem Ruf.

Eine verfallene Anzeigetafel, viel zu hoch gemähtes Gras und verlassene Häuschen am Spielfeldrand, in Bürstadt sah es aus wie in einem Stadion des Ostblocks beziehungsweise kurz nach dem Krieg. Unfassbar geil muss es gewesen ein, dort mit rund 3000 Löwenfans im Jahr 1984 das schicksalshafte letzte Saisonspiel der Löwen miterlebt zu haben, trotz der hohen Niederlage. Ein altes verfallenes Stadion, wie “Groundhopper” es nur lieben können.

Wir fuhren die wenigen Kilometer über den Rhein hinüber nach Rheinland-Pfalz, um in Worms zunächst den Dom zu besichtigen.

Worms streitet sich ja mit ein paar anderen Städten um den Titel der “ältesten Stadt Deutschlands”, im Gegenzug zu Trier ist Worms jedoch zum Beispiel das einzige deutsche Mitglied im “Arbeitskreis der ältesten Städte Europas”. Wikipedia schreibt über Worms: “Das Stadtgebiet wurde erstmals in der Jungsteinzeit etwa um 5000 v. Chr. von Ackerbauern und Viehzüchtern besiedelt.”

Heute hat Worms rund 82.000 Einwohner und beherbergt neben Mainz und Speyer einen der drei romanischen Kaiserdome Deutschlands. Wir schauten gegen 17 Uhr im Dom vorbei und waren von seiner gewaltigen Architektur beeindruckt.

Anschließend fanden wir im Selbstsuchverfahren das Wormatia-Stadion, im dem wir alle sechs noch nie zuvor gewesen waren. Rund 35 Löwenfans fanden sich im Gästeblock ein und genossen die spätabendliche Frühlingssonne.

Die Löwen kassierten jedoch mit zunehmender Spieldauer ein Tor ums andere und schlichen schließlich mit hängenden Köpfen zum Endstand von 6:0 für Worms vom Platz. Einzig Kapitän Roland Sternisko ließ sich nach dem Abpfiff bei den Löwenfans am Zaun blicken.

Im Oktober 1999 hatte ich mal einen 9:0-Sieg der 1860-Amateure in Fulda miterlebt, jetzt wars wieder ein legendäres Ergebnis, allerdings für die Gastgeber. Wir sattelten die Pferde und waren gegen 1 Uhr nachts wieder zurück in München.

1:1 gegen Duisburg – eine gefühlte Niederlage

Dienstag, 1. Februar 2011

Schon des öfteren habe ich hier die Formulierung von der “Wende zum Guten” gebraucht.

Am vergangenen Samstag gegen den MSV Duisburg sah es lange Zeit danach aus, dass diese Wende zum Guten eintritt. Kurz vor der Halbzeit traf Benny Lauth zum 10. Mal in dieser Spielzeit ins gegnerische Gehäuse und eigentlich sah es auch in Halbzeit 2 nie danach aus, dass der “Meidericher SV” nicht als Verlierer den Platz verlassen würde.

Doch weil bei 1860 immer alles anders ist als bei derzeit erfolgreicheren Fußballclubs, wechselte Duisburgs Trainer Milan Sasic nach rund 70 Minuten einen Spieler ein, der immer noch dem TSV 1860 gehört: Manuel Schäffler. Und weil der Fußball seine eigenen Geschichten schreibt, musste natürlich ausgerechnet Manuel Schäffler in der 85. Minute aus dem Nichts heraus das 1:1 erzielen. Irgendwie gönnt man es dem oft gescholtenen 21-Jährigen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck ja, aber für Sechzig bedeutete dieses Tor wieder zwei Punkte weniger und eine gefühlte Niederlage.

Nach dem Spiel, das offiziell von 15.000 Zuschauern verfolgt wurde, konnte ich im Fanraum noch den Münchner Hip Hop-DJ Benny Bianco mit seiner Lebensgefährtin Natalie begrüßen. Da beide von den arktischen Temperaturen an diesem Samstagnachmittag druchgefroren waren, verzogen sie sich aber schnell wieder. Länger blieben Ulla Hoppen von den “Löwenfans gegen Rechts” und Peter Urban vom Fanclub “Kelten-Löwen”.

Nachdem der letzte Fan den Fanraum verlassen hatte, begab ich mich noch kurz in den Business Club der Arena, wo einige Löwenfreunde zusammen saßen. Dort gab es Käsekrainer mit Kartoffelsalat sowie Apfelstrudel mit Vanillesoße. Dafür, dass 1860 sich mit den Cateringkosten in der Arena jedes Spiel noch mehr Schulden aufbürdet, ganz schön mickrig.

0:1 gegen Paderborn in Fröttmaning – vor nur noch 13.600 Zuschauern…

Montag, 20. Dezember 2010

Die Löwenfans stimmen derzeit scheinbar mit den Füßen ab, was sie von der Sanierung des TSV 1860 München halten…

Nur 13.600 verirrten sich in die Allianz Arena, um ihre Löwen im letzten Spiel des Jahres 2010 gegen den SC Paderborn 07 zu sehen.

Eine enttäuschend niedrige Zahl, wenn man bedenkt, dass noch eine Woche zuvor fast 8.000 Löwenfans dem FC Ingolstadt halfen, den neuen Audi Sportpark auszuverkaufen. Und nun kamen zu einem Spiel auf Münchner Boden nur knapp 5.000 Zuschauer mehr…

Obwohl die Löwen nach einer guten Phase mit drei Auswärtssiegen (in Augsburg, Düsseldorf und Karlsruhe) mitten in der Vorrunde nun in der Fröttmaninger Arena wieder stärker sind als in Auswärtsspielen, gab es trotzdem diese Abstimmung mit den Füßen. Unfassbar.

1860 spielte von Beginn an schlecht und geriet durch einen, wie sich im Nachhinein herausstellte, unberechtigten Handelfmeter in der 1. Halbzeit mit 0:1 in Rückstand.

Doch auch in der 2. Halbzeit konnten die Löwen das Blatt nicht mehr wenden. 1860 taumelte förmlich der Niederlage entgegen. Ausgerechnet kurz vor Weihnachten, wenn sich auch Löwenfans über Geschenke freuen, kein besonders befriedigendes Erlebnis.

Wenigstens hatte ich netten Besuch aus dem Münchner Nachtleben an meinem Arbeitsplatz: Joanna Kuhlmann und Michael Bischofer, beides Barleute im Speiselokal ”Nage & Sauge” im Lehel und Michi auch in der “Robinson´s Bar” am Gärtnerplatz, stellten sich mit mir während des Spiels in den Block 130 in der Arena-Nordkurve. Wir hatten trotz des Spiels riesigen Spaß mit vielen bunten Aufkleberbildchen, die wir uns gegenseitig wie Kinder auf die Jacken-Rückseiten klebten.

Für Bischofer nichts besonderes, schließlich hat er in der Kuhlmann Bar eigene Aufkleber, auf denen die Welt erfährt, dass er neben seiner Tätigkeit als Barkeeper auch Skilehrersohn ist.

Nun ist erstmal Winterpause und Zeit, von den vielen Negativerlebnissen rund um den TSV 1860 Abstand zu gewinnen, bevor es leider am 15. Januar schon wieder weiter geht. Selten war Weihnachten zum Abschalten vom Alltag so wichtig wie heuer.


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