0:3 in Düsseldorf – Löwen sang- und klanglos ausgeschieden

26. Oktober 2011

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem 0:3 beim 1. FC Köln in der 2. Runde des DFB-Pokals am 26. Oktober 2010 mussten die Löwen heuer in der 2. Rundes des Cup-Wettbewerbes bei Fortuna Düsseldorf antreten. Die Vorzeichen waren klar: Nach der 1:3-Niederlage in Düsseldorf in der Liga vor zwei Monaten musste man damit rechnen, dass 1860 wieder drei Dinger kassieren könne. Gleichwohl kennt man ja den Pokal und seine eigenen Gesetze….

Fortuna Düsseldorf sorgte im Vorfeld der Partie mit einem aufsehenerregenden Spruch auf einem Werbeplakat für Gesprächsstoff: “Nicht so Lauth, sonst Beister”. Dies bezog sich darauf, dass beide Spieler beim Liga-Spiel am 19. August 2011 getroffen hatten, wobei Maxi Beister der überraschendere Name im Konzert der Großen in der 2. Liga ist, weil ihm vor der Saison niemand zutraute, so prominent zu werden.

534 Löwenfans hatten sich diesmal, an einem nasskalten Dienstagabend, in die Esprit-Arena getraut. Insgesamt kamen über 34.000 Zuschauer zu diesem Zweitrunden-Spiel, was vor allem damit zu tun hatte, dass es sich erst um das 3. Pokal-Heimspiel der Fortuna im seit elf Jahren laufenden neuen JAHRTAUSEND handelte…

Vor dem Spiel schaute 1860-Präsident Dieter Schneider wie so oft im Fanblock des TSV 1860 bei den Löwenfans vorbei. Mittlerweile habe ich mich mit diesem Ritual auch angefreundet.

Die Löwen begannen wie so oft gut, nutzten aber erste ihnen sich bietende Chancen nicht und so kam es wie es kommen musste: In der 15. Minute wollte Collin Benjamin eine Hereingabe von der linken Abwehrseite am ersten Pfosten klären, grätschte dabei jedoch das Leder zum 1:0 für die Fortuna ins eigene Netz.

Noch vor der Halbzeitpause, in der 39. Minute, gelang dem Ex-Löwen Sascha Rösler sogar das 2:0 für Düsseldorf: Der 33-Jährige wollte von der linken Seite auf Beister in die Mitte flanken. Der Ball rutschte ihm dabei über den Spann, flog im Bogen über Kiraly hinweg und landete rechts oben zum 2:0 im Tor. Damit war das Spiel quasi entschieden.

Collin Benjamin “krönte” seine Leistung kurz vor Schluss noch mit einer Notbremse gegen den Fortuna-Spieler Adriano Grimaldi und der daraus resultierenden Roten Karte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Sascha Rösler mit seinem 2. Tor des Tages zum 3:0-Endstand.

Die Löwenfans, unter ihnen die ehemaligen PRO1860-Funktionäre und KGaA-Aufsichtsräte Hans Vonavka, Josef Wensauer, Christian Waggershauser und Christoph Öfele, waren entsetzt über das Ausscheiden des TSV 1860 aus dem diesjährigen Pokal-Wettbewerb. Auch Otto Steiner war diesmal wieder im Löwenblock mit dabei. Er ist inzwischen ja Vorsitzender des Vereins-Aufsichtsrates.

Nach dem Spiel begab ich mich zum Abendessen in den Business Bereich der Esprit Arena, wo ich aufgrund einer Übernachtung im Stadion Hotel “Tulip Inn” und der großzügigen Gastfreundschaft meines Düsseldorfer Kollegen Jörg Emgenbroich und des Fortuna-Sicherheitsbeauftragten Sven Mühlenbeck speisen durfte. War witzig, auch gegen Mitternacht noch im leeren Stadion über das Spiel und den Fußball an sich zu diskutieren.

Am Morgen nach dem Spiel hatte ich beim Frühstück auch wieder Einblick in die Arena und traf einige Barkeeper aus dem Hotel Lux und der Cortina Bar in München, die ebenfalls dort übernachtet hatten. Nach dem Frühstück musste ich einfach nur von der einen Seite der Esprit Arena auf die andere rüberlaufen, um wieder in der Geschäftsstelle der Fortuna zu landen, von wo ich netterweise zum Flughafen gefahren wurde.

Bei einem letzten Plausch lernte ich Robert Palikuca kennen, der bis 2010 bei der Fortuna gespielt hatte und jetzt im Marketing des Traditionsclubs tätig ist. Er ist Kroate und war früher gerne mit seinen Freunden und Verwandten bei Spielen von Dinamo Zagreb. Nebenbei lernte ich trotz Ausscheidens aus dem DFB-Pokal so noch einiges über den Nationalitäten-Konflikt im ehemaligen Jugoslawien.

0:1 in Mannheim – eine Niederlage an allen Fronten

17. Oktober 2011

Am Samstag, 15. Oktober 2011 stand für die U23 des TSV 1860 das Auswärtsspiel beim SV Waldhof Mannheim auf dem Programm.

Zuletzt hatte es Begegnungen zwischen den beiden Mannschaften im August und Dezember 2008 gegeben – und bei jedem der zwei Spiele kam es zu Ausschreitungen zwischen den Anhängern der beiden Clubs.

Ich reiste im Auto mit Jochen Kaufmann, dem neuen Vollzeitmitarbeiter des Fanprojekts München, an. Vor dem Spiel gabs keine Probleme, wir wurden nett von einem Mitarbeiter des Fanprojekts Mannheim und den beiden Fanbeauftragten vor dem Gästeblock empfangen.

Die rund 70 Löwenfans in den beiden Bussen kamen gut 10 Minuten vor Spielbeginn an und waren bei den strengen Einlasskontrollen sehr geduldig.

Über das Geschehen in den ersten 20 Minuten der 2. Halbzeit schrieb der Ama-Lion-Liveticker:

[15:00] Es fliegen Rauchbomben aus dem Gästeblock, das Spiel ist unterbrochen.

[15:02] Noch brennt es im Gästeblock, dennoch läuft das Spiel wieder. Und wieder schreitet die Polizei nicht ein … das kommt uns doch bekannt vor.

[15:03] Immerhin nehmen es die Waldhöfer diesmal lockerer und feuern weiter ihre Elf an, was im Gästeblock passiert, interessiert die nicht. Es sieht nicht so aus, aus würde es wieder Randale geben nach dem Spiel.

[15:04] 3609 Zuschauer sind im Stadion, darunter auch ca. 200 aus München.

[15:18] Im Gästeblock brennt es zum zweiten Mal, aber das interessiert hier niemanden, denn nach einer langen Flanke von links kommt Daniel Reule vollkommen alleine zum Kopfball. Vitus Eicher ist chancenlos, 1:0 für den Waldhof (63.).

Nach dem Spiel durften wir im Gegensatz zum Spiel im Jahr 2008 den Gästeblock frei verlassen. Die beiden Busse parkten in einem Seitenweg des Gartenschauweges. Dort gabeln sich vier Straßen bzw. Wege und dort standen rund 20 behelmte Landes-Polizisten.

Eine Einsatztruppe der BFE-Einheit (baden-württembergisches USK) musste dann im Laufschritt zur Hauptstraße vorlaufen, wir wussten aber erst nicht, warum. Wenig später tauchte ein am Hinterkopf blutender Löwenfan in der Gruppe der vor den Bussen wartenden rund 40 Löwenfans auf. Er wurde von einem Polizeiknüppel am Kopf getroffen.

Rund 5 Minuten später kamen plötzlich rund 30 Waldhof-Fans vom Seerestaurant her um die Ecke und begannen auf unsere Gruppe wartender Löwenfans loszulaufen, die 20 Polizisten hatten aber schnell alles im Griff. Kurzzeitig dachten wir, wir würden jetzt auch in Kampfhandlungen verwickelt werden.

Rund 15 Minuten später wurde eine Gruppe von rund 30 Löwenfans unter Polizeischutz zum Bus zurückgebracht, unter ihnen ein paar, deren Hände mit Kabelbindern auf den Rücken fixiert wurden und ein paar unter Einfluss von Tränengas bzw. Pfefferspray stehende Löwenfans.

Wie ich im Nachhinein erfuhr, hatten ein paar Löwenfans am Ende der Sackgasse des Gartenschauweges ein Tor aufgebrochen und den Kontakt mit Waldhof-Hools gesucht. Als die Polizeisperre aufgelöst wurde und die Löwenfans in die Busse einstiegen, fuhr ich mit Jochen Kaufmann im Auto los.

Fazit: Insgesamt blieb es ruhiger als erwartet. Wir müssen nach menschlichem Ermessen die nächsten Jahre erstmal nicht mehr nach Mannheim. 

2:1-Derbysieg! Giesing in blauer Hand, alles in bester Ordnung

5. Oktober 2011

Zwei Tage nach dem Debakel der ersten Mannschaft gegen Dynamo Dresden stand das nächste Risikospiel in München auf dem Programm: Das Derby der beiden U23-Mannschaften des FC Bayern und TSV 1860 im Sechzgerstadion.

Die Münchner Polizei hatte sich diesmal so gut wie noch nie drauf vorbereitet und einige Hundertschaften an Einsatzkräften rund ums Stadion positioniert. Der Mob der gewaltbereiten Roten zog aus der Säbener Straße am Wettersteinplatz vorbei zur Stehhalle, während die Löwen sich in der Tegernseer Landstraße trafen und von dort unter Polizeibegleitung zur Westkurve geführt wurden.

Dort gab es dann strenge Einlasskontrollen, die dazu führten, dass noch nicht alle der rund 2.000 Löwenfans im Block waren, als in der 3. Minute das 1:0 für 1860 fiel. Bobby Wood hatte in das Tor vor der leeren Ostkurve getroffen.

Leider gab es in der 35. Minute den 1:1-Ausgleich, als der Schiedsrichter einen äußerst zweifelhaften Foul-Elfmeter für Rot pfiff. Saer Sene musste dann auch unbedingt die Löwenkurve mit Gesten provozieren, wann gewöhnt das den verwöhnten Jungprofis endlich mal jemand ab?

In der 2. Halbzeit machte zunächst mal die Westkurve auf sich aufmerksam, als mehrere Pyrogegenstände gezündet wurden. Sah aus der Entfernung ganz gut aus, muss man sagen. Nur mitten im Rauch drin stehen will man als Älterer nicht. Aber: es ist nicht erlaubt und wird wohl dazu führen, dass die beiden U23-Derbys nächste Saison wegen des Sechzgerstadion-Umbaus in der Allianz Arena ausgetragen werden könnten.

In der 65. Minute dann der Siegtreffer für die Löwen: Marius Willsch netzte nach Vorarbeit von Maximilian Knuth den Ball am langen Pfosten aus 7 Metern ins Tor vor der Westkurve. Geil.

Die restliche Zeit galt es, den Sieg über die Zeit zu retten, leider wurden auch noch Chancen vergeben, das 3. Tor zu erzielen, aber was solls? DERBYSIEG GEGEN DIE ROTEN, was kann schöner sein?

Die Spieler ließen sich völlig zurecht richtig feiern. Vier von ihnen stiegen auf den Zaun vor der Westkurve, was man von den Profis (Ausnahme Kevin Volland) so meilenweit nicht gewohnt ist. Bei der anschließenden “Humba” sangen die Fans dann zweimal “Scheiß FC Bayern”, wäre witzig, wenn einer der Spieler es vorgesungen hätte.

Nach dem Spiel unterhielt ich mich noch mit Rainer Koch, dem Chef des Bayerischen Fußballverbandes, der sich jetzt schon Gedanken machen muss, wo die ganzen Spiele der beiden U23-Teams von 1860 und Bayern gegen die jetzigen Bayernligavereine in der neugeschaffenen Regionalliga Bayern nächstes Jahr ausgetragen werden.


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