Dritter Auswärtssieg in Folge – U23 zeigt den Profis, wie man es macht
Mittwoch, 7. Mai 2008
Als Fanbeauftragter stand ich am vergangenen Dienstag vor der Wahl: Paderborn auswärts mit den Profis oder Stuttgarter Kickers auswärts mit den Amateuren. Meine Kollegin Jutta Schnell und ich einigten uns darauf, dass sie nach Paderborn fährt und ich nach Stuttgart.
Zuletzt war ich im August 1993 in Stuttgart-Degerloch gewesen, als die Löwen unter Werner Lorant ihren fulminanten Durchmarsch von der Bayernliga in die Bundesliga in einer Saison begannen und mit einem 2:0-Sieg bei den Stuttgarter Kickers den Grundstein dafür legten.
Da ich seinerzeit vergessen hatte, den direkt neben dem Stadion gelegenen (oder besser: stehenden) Stuttgarter Fernsehturm zu besuchen, entschloss sich meine Reisegruppe,
bestehend aus Ama-Lion-Redakteur Manuel Böhm, Stefan „Kraiburger“ Markt und Andreas Petri (Mitglied der Satzungskommission des TSV München von 1860 e.V.), vor dem Spiel mit dem Lift auf die Aussichtsplattform zu fahren.
Das strahlend schöne Frühlingswetter belohnte unser Vorhaben mit einem Blick über geschätzte 100 Kilometer. Die Stadt Stuttgart kommt einem gar nicht so groß vor, wirkt von oben eher so groß wie Würzburg. Direkt unter einem liegt das GAZI-Stadion der Stuttgarter Kickers. Als wir von oben hineinschauten in die Kampfbahn, hatten die Löwen-Amateure gerade ihre Platzbegehung.
Wieder unten angekommen, trafen auch die restlichen 56 Löwenfans am Stadion ein und das Spiel konnte beginnen. Manuel Duhnke machte seinem Ruf als torgefährlicher Zehner wieder einmal alle Ehre und netzte zweimal für die Löwen ein. Durch den 2:1-Sieg der 2. Mannschaft wurden auch die Abstiegsängste ein bisserl gelindert, die durch die schlechten Nachrichten aus Paderborn bei einigen entstanden.
Die jungen Spieler von 1860 (unter ihnen der für Paderborn gesperrt gewesene, für die U23 an diesem Tag jedoch spielberechtigte Mustafa „Mucki“ Kucukovic) bejubelten den Sieg ausgelassen und tanzten zum selbst intonierten Gesang „So gehn die Löwen, die Löwen, die gehn so“ wie bei einer Lambada über den Rasen.
Nach dem Spiel traf ich einen sehr gut gelaunten Amateure-Boss Ernst Tanner und einen mit dem Flutlicht um die Wette strahlenden U23-Coach Uwe Wolf, der in seiner Karriere sogar schon mal in Mexiko spielte (von 1995 bis 1998) und mit seinem ersten Club, Deportivo Necaxa, im Jahr 1996 mexikanischer Meister wurde. Seinen Spitznamen aus dieser Zeit („El Lobo“, der Wolf) erwarb er sich nicht nur durch seinen Namen, sondern vor allem durch sein kompromissloses Stellungsspiel als Verteidiger. Ein unglaublich positiver Typ, der bei Auswärtsfahrten auch schon vor einem Spiel gutgelaunt an Raststätten anzutreffen ist.
Die Profis müssen jetzt das Spiel gegen Osnabrück in Fröttmaning am Sonntag gewinnen, um sich aller Abstiegssorgen zu entledigen, sonst wirds am Schluss nochmal eng. Die Uwe-Wolf-Truppe empfängt am Samstag (14 Uhr) in Giesing den SV Elversberg.






Plötzlich gab es am Zaun hinter der Nordkurve Unruhe: Viele junge Fans stürmten an den Zaun, beschimpften die Ordner und rüttelten an den Gitterstäben. Was war passiert? Ein junger Fan hatte eine Werbebande aus dem Zuschauerbereich in den Innenraum weggetreten und war von den Ordnern ermahnt worden. Als er jedoch nicht aufhörte, gegen die rote Werbebande zu treten, zog ein Ordner des 1860-Ordnungsdienstes den jungen Mann in den Innenraum, um dessen Tun zu unterbinden. Dies wiederum sorgte natürlich für Unruhe in der Nordkurve. Weitere Werbebanden wurden aufgrund dessen aus den Verankerungen getreten.
Ich hatte nach Spielende noch Gelegenheit, mit Mitarbeitern der IMG, der Vermarktungsgesellschaft des TSV 1860 München zu sprechen. Sie haben die Aufgabe, den Sponsoren die vertragsgemäß zugesagte Präsenz der Werbebanden, vor allem bei einem Live-Spiel im frei empfangbaren Fernsehen (das DSF übertrug das Spiel), über die volle Spieldauer zu gewährleisten. Die Argumentation einiger Fans, dass die Aufmerksamkeit auf die Trenkwalder-Werbebande sich durch den Vorfall erhöht habe, können die IMG-Mitarbeiter leider nicht übernehmen, denn sie sind an die Vertragsbedingungen gebunden.