0:6 in Worms – aber Bürstadt war eine Reise wert

457 Kommentare
Am Dienstag, 19. April 2011, auf den Tag genau 27 Jahre nach dem legendären 6:1-Sieg der ersten Mannschaft des TSV 1860 München gegen Fürth, traten die Amateure der Löwen in der Regionalliga Süd an einem Ort an, in dem schon seit den späten 70er-Jahren keine 1860-Truppe mehr ihre Visitenkarte hinterlassen hatte: in Worms.

Wir fuhren morgens um halb elf zu sechst mit dem Auto in München-Untergiesing los und erreichten die südhessisch-pfälzische Tiefebene am Rhein gegen 15:30 Uhr. Zunächst schauten wir beim Atomkraftwerk in Biblis vorbei. Dann stand das Stadion in Bürstadt auf unserem Zettel.

In diesem kleinen Städtchen (15.000 Einwohner) mussten die Löwen am letzten Spieltag der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Ende Juni 1984 antreten – und gingen mit 0:4 unter. Weder Lothar Langer vom Fanprojekt noch ich waren seinerzeit vor Ort, trotzdem spürten wir den morbiden Reiz dieses alten Stadions und folgten seinem Ruf.

Eine verfallene Anzeigetafel, viel zu hoch gemähtes Gras und verlassene Häuschen am Spielfeldrand, in Bürstadt sah es aus wie in einem Stadion des Ostblocks beziehungsweise kurz nach dem Krieg. Unfassbar geil muss es gewesen ein, dort mit rund 3000 Löwenfans im Jahr 1984 das schicksalshafte letzte Saisonspiel der Löwen miterlebt zu haben, trotz der hohen Niederlage. Ein altes verfallenes Stadion, wie “Groundhopper” es nur lieben können.

Wir fuhren die wenigen Kilometer über den Rhein hinüber nach Rheinland-Pfalz, um in Worms zunächst den Dom zu besichtigen.

Worms streitet sich ja mit ein paar anderen Städten um den Titel der “ältesten Stadt Deutschlands”, im Gegenzug zu Trier ist Worms jedoch zum Beispiel das einzige deutsche Mitglied im “Arbeitskreis der ältesten Städte Europas”. Wikipedia schreibt über Worms: “Das Stadtgebiet wurde erstmals in der Jungsteinzeit etwa um 5000 v. Chr. von Ackerbauern und Viehzüchtern besiedelt.”

Heute hat Worms rund 82.000 Einwohner und beherbergt neben Mainz und Speyer einen der drei romanischen Kaiserdome Deutschlands. Wir schauten gegen 17 Uhr im Dom vorbei und waren von seiner gewaltigen Architektur beeindruckt.

Anschließend fanden wir im Selbstsuchverfahren das Wormatia-Stadion, im dem wir alle sechs noch nie zuvor gewesen waren. Rund 35 Löwenfans fanden sich im Gästeblock ein und genossen die spätabendliche Frühlingssonne.

Die Löwen kassierten jedoch mit zunehmender Spieldauer ein Tor ums andere und schlichen schließlich mit hängenden Köpfen zum Endstand von 6:0 für Worms vom Platz. Einzig Kapitän Roland Sternisko ließ sich nach dem Abpfiff bei den Löwenfans am Zaun blicken.

Im Oktober 1999 hatte ich mal einen 9:0-Sieg der 1860-Amateure in Fulda miterlebt, jetzt wars wieder ein legendäres Ergebnis, allerdings für die Gastgeber. Wir sattelten die Pferde und waren gegen 1 Uhr nachts wieder zurück in München.