4:0 gegen Cottbus – Investor beeindruckt, Nordkurve zerstritten

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Eine ganze Woche lang kündigte der neue jordanische Investor seinen ersten Besuch in der Allianz Arena für das Spiel am Samstag, 9. April 2011 gegen Energie Cottbus an, und er kam auch tatsächlich.

Zwar bekam man das im weiten Rund nicht so mit, aber den Zeitungen am Montag danach konnte man die Bilder entnehmen, wie Hassan Abdullah Ismaik mit seinen Gastgebern Robert Schäfer und Dieter Schneider in einer Loge die vier Tore bejubelte.

Dominik Stahl, Stefan Aigner, Stefan Aigner und Benny Lauth (mit seinem 14. Treffer in dieser Saison) lautete die Reihenfolge der Torschützen an diesem sonnigen Samstagnachmittag in München-Fröttmaning.

Der Investor zeigte sich begeistert und stellte angeblich seine Unterschrift unter ein Vertragswerk schon für die nächsten zwei Wochen in Aussicht.

In der Nordkurve der Arena gab es jedoch nicht nur Friede, Freude, und Eierkuchen, sondern vor allem Unmut, Streit, Becherwürfe und sogar Handgreiflichkeiten.

Da es nicht eine einzige Ursasche gibt, sondern das Zusammenspiel mehrerer Komponenten, die zu diesen Ausschreitungen führten, möchte ich diese hier erläutern:

1. Die Fans aus den Fanvereinigungen Cosa Nostra (CN) und Giasinga Buam (GB) feuerten diesmal nicht an, sondern begaben sich auf ihren angestammten Plätzen in eine Art Stimmungsboykott. An sich kein Drama, schließlich haben sie keinen Vertrag mit dem TSV 1860 unterschrieben, in dem sie sich zu Dauersupport verpflichten.

2. Schon während der 1. Halbzeit gab es jedoch vereinzelte Versuche der Löwenfans, die oberhalb der CN und GB stehen, diesen Boykott zu durchbrechen, indem vereinzelte Sprechchöre angestimmt wurden.

3. In der zweiten Halbzeit vergrößerte sich die Kluft zwischen dem oberen und unteren Teil der Nordkurve, es gab plötzlich Unmutsäußerungen, sowie Feuerzeug- und Bierbecherwürfe von oben nach unten. Auslöser könnte ein Spruchband der GB gewesen sein, auf dem diese formulierten: „Die die Freiheit wollen, stehen hier – Arenafreunde, wo seid Ihr?“

4. In die Ausschreitungen der „Arenafreunde“ mischten sich dann noch die Nazis aus Block 132, die ihren schon länger schwelenden Unmut über die Vormachtstellung der CN und GB ebenfalls in Bierbecherwürfe und Beschimpfungen von der Seite ausufern ließen.

5. Daraufhin gab es Auseinandersetzungen, auch körperlicher Art.

Die KGaA wird nun so reagieren, dass Gewalttätigkeiten von einzelnen geahndet werden sollen. Ansonsten wäre wünschenswert, wenn sich die 1860-Ultras von CN und GB sowie ihre Gegner an einen Tisch setzen könnten, dies scheint jedoch angesichts der langjährig gewachsenen und strukturellen Problemfelder in der 1860-Fanszene sowie angesichts mangelnder Organisiertheit und nicht bekannter Gesichter der CN-Gegner aussichtslos.

Der Fanrat ist alarmiert und wird tätig werden. Es scheint jedoch, als sei dieses Problem nicht mit gut gemeinten Appellen aus der Welt zu schaffen sein. Warten wir ab, wie sich die Nordkurve beim Spiel am Ostersamstag, 23. April gegen Fürth selbst reguliert.